«The Power to Win» heisst das neue Buch von Laura Boynton King, ein weltweit erster Hypnotherapie-Ratgeber speziell für Reiter und Pferdefreunde. Nach langjährigem Training in Hypnose sowie insbesondere Sporthypnose und NLP (Neuro-Linguistic Programming) gründete King in Wellington, Florida, ihr eigenes Therapiezentrum, Summit Dynamics (www.summitdynamics.net). Ihr Ziel ist es, ihren Klienten dabei zu helfen, durch Hypnose ihre persönlichen und professionellen Ziele zu erreichen.
Josefine Köhn
Erfolgreich wurde sie nicht zuletzt durch ihre Serie von Selbsthypnose-CDs. Im Gespräch mit Kavallo-Autorin Josefine Köhn erklärt sie das Prinzip der Hypnotherapie und verrät auch einige Tipps, wie man durch Hypnose selbst sein verstecktes Potenzial entdecken kann.
Im November haben Sie mit «The Power to Win» einen Hypnotherapie-Ratgeber speziell für Pferdefreunde veröffentlicht. Sind Reiter eine besonders attraktive Zielgruppe für diese Form der Therapie? Nicht direkt. Aber wenn ich mit meiner Tochter auf Turniere fahre, sehe ich selbst immer wieder, wie sehr einigen Wettbewerbern durch Hypnotherapie geholfen werden könnte. Viele Leute tendieren dazu in Extremsituation sehr nervös zu werden. Bei Reitern ist dies doppelt schlimm, denn die Nervosität überträgt sich auf das Pferd. Im Rahmen meiner Ausbildung hatte ich auch ein Seminar bei einer Sport-Hypnotherapistin. Sie arbeitete viel mit Golfern, in diesem Bereich ist Hypnotherapie seit Jahren sehr gefragt. Seit etwa acht Jahren wird Hypnotherapie sogar auf olympischem Niveau genutzt. Nur in der Pferdewelt war Hypnotherapie bisher quasi nicht vorhanden. Und da ich früher selbst viel geritten bin und meine Tochter noch sehr intensiv reitet, war es nahe liegend etwas in diese Richtung zu machen. Die Serie für Reiter existierte bereits als CD, als Lyons Press auf mich zukam und um ein Proposal bat. Das Proposal kam gut an und ich schrieb das Buch.
Wie kann Hypnotherapie helfen? Negative Gedanken werden ausgemerzt und durch positive ersetzt. Es bringt nichts, wenn der Trainer kurz vor dem Start noch erwähnt, auf was der Reiter alles achten muss, dass er diese Wendung nicht vergessen darf oder jener Regenschirm das Pferd erschrecken könnte. Das führt nur zu negativen Gedanken – und natürlich scheut das Pferd dann auch. «Du bist was du denkst», lautet eines der natürlichen Gesetze, auf welche die Hypnotherapie aufbaut.
Wie sind Sie selbst zur Hypnotherapie gekommen? Vor 30 Jahren hatte ich mit schweren Depressionen zu kämpfen. Ich habe zwar Hilfe gesucht und auch bekommen, aber letztlich hat nur die Hypnotherapie geholfen. Und das ist, was ich heute selbst tue. Ich helfe natürlich auch anderen Leuten, nicht nur Reitern, sondern etwa Krebspatienten. Gerade diese Woche wurden mir von ärztlicher Seite vier neue Patienten zugewiesen. Ich arbeite mit Herzkranken zusammen, Stress- und Schmerzmanagement sind eine weitere grosse Sparte. Ich helfe Leuten, sich das Rauchen abzugewöhnen oder ihr Gewicht zu regulieren. Die Pferdewelt, ich liebe sie, aber sie ist nur ein Teil meiner Arbeit.
Praktizieren Sie an sich auch noch Hypnotherapie? Ständig. Wenn ich reise, viel unterwegs bin oder in stressigen Arbeitswochen wie dieser gönne ich mir täglich 20 Minuten. Zur National Horse Show in Wellington bekomme ich immer noch viele Extra-Anfragen. Hypnotherapie ist sehr wichtig für mein Leben. Meist höre ich mir meine eigenen CDs an, manchmal lasse ich mich auch von einem Freund von mir hypnotisieren.
Nutzen Sie Hypnotherapie für Ihre Reiterei? Ich arbeite heute sieben Tage in der Woche und komme kaum zum Reiten, aber meine Tochter nutzt meine CDs. Derzeit allerdings mehr die «Learning Series» für ihre Testvorbereitung. Sie studiert in den letzten Semestern Fashion-Merchandising.
Sind bekannte Reiter unter Ihren Klienten? Ja, viele reiten auf Grand-Prix-Ebene, auf internationaler Ebene, Dressur, Springen und Western. Aber ich darf leider keine Namen nennen, das ist gegen meine persönliche Ethik und auch gesetzlich nicht erlaubt.
Mit welchen Problemen kommen Reiter zu Ihnen? Sie haben etwa Angst vor Wassergräben, vor einem bestimmten Hindernis. Sie werden vor jeder Vorstellung im Viereck so nervös, dass während der Dressuraufgabe alles schief läuft. Manche haben einfach Angst davor, dass ihr Pferd scheut.
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