Zucht
 American Quarter Horse: Antrittsschnell wie ein Windhund, arbeitseifrig und rittig
Das American Quarter Horse ist die beliebteste Pferderasse in Amerika und auch in Europa erfreuen sich die vielseitigen «Quarter» ständig steigender Beliebtheit. Die Kombination der Fähigkeiten und Eigenarten, die das American Quarter Horse in sich vereinigt findet man in dieser Vielfalt bei keiner anderen Pferderasse.

Monika und Hans D. Dossenbach

Die Familie der Pferde ist in Nordamerika entstanden. Von dort breiteten sich die Pferdeartigen über Asien, Europa und Afrika aus. Auf rätselhafte Weise starben die Pferde in Nordamerika vor etwa zehntausend Jahren aus. Vor rund tausend Jahren brachten Wikinger Pferde auf den amerikanischen Kontinent. Doch die Tiere der streitbaren Seefahrer verschwanden wieder spurlos.
Vor 500 Jahren brachten die Spanier Pferde mit in die Neue Welt. Diese prägten den Verlauf der Geschichte Amerikas. Die Mustangs, die berühmten «wilden Pferde» Amerikas, gehen auf die Reittiere der spanischen Eroberer, Siedler und Missionare zurück. Im Laufe der Zeit entliefen Tausende der Hauspferde ihren Besitzern in die endlose Weite der Prärie und vermehrten sich prächtig. Um 1850 wurde ihr Bestand auf mehrere Millionen geschätzt.

«Das Pferd, das Amerika machte»
Damals hatte der Mustang nicht mehr sehr viel Ähnlichkeit mit seinen edlen, spanischen Ahnen. Das Leben in der Wildnis mit glühend heissen Sommern, eiskalten Wintern und karger Nahrung prägte das Erscheinungsbild der Tiere. Die Natur traf eine unbarmherzige Zuchtauslese. Nur die Harten und Ausdauernden überlebten. Und das waren eher die Kleinwüchsigen und Unscheinbaren. Mustangs sind meistens nur 130 bis 140 Zentimeter hoch, kantig gebaut, grasbauchig, oft hirschhalsig und kuhhessig, und sie besitzen einen eher groben Kopf.
Man nennt den Mustang «das Pferd, das Amerika machte». Tatsächlich spielte der Mustang in der Pionierzeit eine unschätzbare Rolle. Zu Hunderttausenden wurden die verwilderten Pferde eingefangen und für die Kavallerie gedrillt. Die Cowboys der alten Tage ritten fast nur solche Mustangs. Das Einreiten der Wildfänge gestaltete sich ausserordentlich schwierig, aber später waren diese Tiere fast unverwüstlich. Vier- und sechsspännig wurden sie vor die Postkutschen, die Planwagen der Pioniere und die Pflüge der Ackerbauern gespannt.
Aber die Dienste wurden schlecht belohnt. Zu Hunderttausenden wurden die Mustangs von den Viehzüchtern getötet, weil sie als Nahrungskonkurrenten der Rinder galten. In Massen wurden sie zusammengetrieben und abgeschlachtet für Tierfutterfabriken. Von den Millionenbeständen haben kaum zehntausend bis heute überlebt. Nun sind sie zwar vom Gesetz geschützt, aber nur in Reservaten sind sie wirklich sicher. Jeder Rancher kann sie weiterhin abschiessen, mit der Begründung, dass sie auf seinem Weideland Schaden verursachen.
Die spanischen Pferde und damit auch die Mustangs bildeten die Grundlage der amerikanischen Western Horses – mit Ausnahme des Quarter Horse, dessen Herkunft komplizierter ist.
Sehr viele Pferde im amerikanischen Westen gehören nicht einer eigentlichen Rasse an. Sie werden nicht rein gezüchtet und nirgends registriert.
Oft wird behauptet, das Quarter Horse sei das Pferd der Cowboys. Das ist ein Irrtum. Die meisten Cowboys reiten heute noch so genannte Stock Horses, gesunde, stabile, aber eben nicht reinrassige Pferde. Meistens sind sie nicht gerade Schönheiten, doch das ist ja auch nicht das Zuchtziel. Ein Cowboy braucht ein Pferd, das «funktioniert», das «geländegängig» ist, Cow Sense hat (also einen angeborenen Sinn für die Rinderarbeit), das anspruchslos und klar im Kopf ist. Und fast alle Stock Horses bringen diese Eigenschaften mit.

Ein einzigartiger Erfolg
Erst 1940 gründeten 75 Personen in Fort Worth in Texas die American Quarter Horse Association (AQHA). 599 Pferde erfüllten die Ansprüche der Zuchtkommission und wurden im Register eingetragen. Als wir 1975 das Hauptquartier des Verbandes in Amarillo, Texas, besuchten, wurde gerade das einmillionste Quarter Horse registriert. Heute sind es weit über drei Millionen! Damit ist das Quarter Horse zahlenmässig mit grossem Abstand die grösste Pferderasse der Welt.
Anerkannt ist die Rasse also erst seit 1940. An ihr herumgezüchtet wurde allerdings schon vor über 350 Jahren.

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