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 Unersetzlich: Das Auge: Teil I von II
Das Auge des Pferdes hat faszinierende Funktionen. Viele Eigenschaften des Pferdeauges werden jedoch vom Menschen noch immer missverstanden. Ohne gesunde Augen ist ein Pferd in der Regel nur noch eingeschränkt einsetzbar. Daher gilt es, Krankheiten und Probleme im Augenbereich auch als Pferdehalter sicher zu erkennen und die korrekte Behandlung schnell einzuleiten.


Dr. med. vet. Jürgen Bartz

Ihrer Herkunft aus der Steppe gemäss, sehen Pferde vor allem Bewegungen. Diese erkennen sie schon sehr früh und aus grosser Entfernung. Das genaue Scharfstellen des Verursachers der Bewegung fällt dem Pferd hingegen schwer. Denn durch die seitliche Anordnung der Augen am Kopf ergibt sich nur ein relativ zum Menschen schmales Überschneidungsfeld der Sehbereiche beider Augen _ und das ist erforderlich, um scharf und vor allem dreidimensional zu sehen.

Wie Pferde sehen
Daher müssen Pferde den Kopf heben, um beispielsweise den Boden vor und hinter einem Sprung betrachten zu können. Dafür hat die seitliche Lage der Augen einen grossen Vorteil: Sie erlaubt es dem Tier, in einem fast 360 Grad umfassenden Winkel auch nach hinten zu schauen. Hier allerdings ist die Wahrnehmung besonders unscharf. Entsprechend unsicher oder prophylaktisch-aggressiv reagieren Pferde daher auf Annäherung von hinten mit Wegspringen oder Zuschlagen.
Weitere Schreckfelder sind der Boden unmittelbar vor ihren Hufen sowie Bewegungen über Kopf. Deswegen scheuen Pferde oft überaus stark vor ungewöhnlichem Untergrund, wenn sie diese Veränderungen durch Unachtsamkeit erst im letzten Moment sehen. Aktionen über ihrem Kopf lösen ebenfalls oft blitzartige Ausfallsbewegungen aus.
Nachts sehen Pferde deutlich besser als Menschen. Spezielle Restlichtverstärker hinter ihrer Netzhaut sind für dieses Phänomen verantwortlich. Allerdings sehen Pferde nachts _ wie auch der Mensch _ nur schwarz-weiss. Bei Tageslicht hingegen können Pferde die meisten Farbtöne unterscheiden, abgesehen von dunkelblau und dunkelrot, das sie nicht gut differenzieren können.
Da bleibt kein Auge trocken: Bindehautentzündung
Besonders auf der Weide werden Pferde im Sommer von Fliegen belästigt. Der Insektendruck nimmt zumeist im August und September noch einmal zu. Dabei konzentriert sich der Befall auf die Augenumgebung. Hier nehmen die Fliegen Tränenflüssigkeit und kleine Hautschuppen auf. Fliegenbeine bieten aufgrund ihrer Behaarung vielen Bakterien Unterschlupf. Diese Masse von Keimen verschleppen die Insekten in des Auge und verteilen sie dabei auch von Tier zu Tier. Oft kommt es dann zur Bindehautentzündung. Der Tierarzt bezeichnet sie medizinisch als Konjunktivitis (conjunctiva = Bindehaut).
Die äusserlich auffälligsten Symptome sind gesteigerter Tränenfluss und ein unterschiedlich starkes Zukneifen des Auges. Dieses beruht auf erhöhter Lichtempfindlichkeit und Schmerz. Pferde reagieren hier genau so wie Menschen.
Bei genauerem Hinsehen erkennt der Pferdehalter, dass die Bindehäute, also die innere Auskleidung der Augenlider, gerötet und unter Umständen verschwollen sind. Bei starker Konjunktivitis ist der Tränenfluss nicht mehr wässrig und klar, sondern schleimig, flockig und bisweilen sogar eitrig. Neben Insektenbefall gibt es viele weitere Gründe für eine Konjunktivitis.

Aussenreize aller Art
Zugluft bei Fahrten im Pferdetransporter, ätzende Gase im Stall, beispielsweise Ammoniak, hochgradige Staubeinwirkungen in Reitbahn und Reithalle sowie gelegentlich auch ozonhaltige Sommerluft im Zusammenwirken mit langer direkter Sonneneinstrahlung _ alle diese Faktoren können in leichter Ausprägung zu einer blossen kurzzeitigen Reizung, bei schwerer Symptomatik aber auch zur deutlichen Entzündung der Bindehaut führen.
Auch allergische Prozesse sind daran oft beteiligt: Baumaterialien und Holzschutzmitel, Staub aus der Einstreu, Pollenflug im Frühsommer und Pflegestoffe, z.B. nicht für die Augenumgebung zugelassene Insektenabwehrmittel, lösen solche Allergien aus. Abhilfe schafft hier nur das baldige Erkennen des allergisierenden Stoffes und dessen Vermeidung.
Auch wenn die Bindehautentzündung oft nur ein lokales Problem darstellt: Das Pferd ist trotzdem stark in seinem Allgemeinbefinden beeinträchtigt und fühlt sich entsprechend unwohl. Es sollte daher bei höhergradiger Konjunktivitis nicht geritten werden, bis eine Heilung eingetreten ist.


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