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PFERDELEBEN
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Kavallo 1-2/2016
gehaltenen Vortrag über das Pensio-
nieren von Rennpferden die Fort-
schrittlichkeit, mit der abtretende
Sportpferde behandelt werden, und
schloss mit dem Satz: «Am wichtigs-
ten ist es jedoch, dass sich jeder Pfer-
debesitzer der Pflicht bewusst ist, ver-
antwortungsvoll zu handeln. Wäre
dies bereits so, müssten wir weniger
über Tierschutz sprechen.»
Leben nach dem Sport
verbessern
Auch Tierschützer unterstützen den
Verein, der im grenznahen Klettgau
beheimatet ist: Susy Utzinger und ihr
Team reisten vergangenen Sommer
für eine Zahnbehandlung der neun
ehemaligen Sportpferde des Burgstall-
hofs an. Die Tierschützerin lobt die
Arbeit der Pferdefachfrauen: «Die Phi-
losophie dieses Vereins begrüssen wir
sehr: Es geht nicht darum, den Pferde-
sport zu verteufeln, sondern das Le-
ben der vierbeinigen Athleten nach
dem aktiven Sport zu verbessern, da-
bei steht die Beratung von Pferdehal-
tern im Mittelpunkt.» Die beiden aus-
gebildeten Pferdeosteopathinnen Na-
Im «zweiten Leben» angekommen:
Natalie Friberg unterhält sich mit
der Stute Berberis (links).
Das macht doch Spass: Petra Brumann,
Vorstandsmitglied bei «Zweites Leben für
Sportpferde», führt Zauberlied an neue
Aufgaben heran (unten).
talie Friberg und Petra Brumann
betreuen die Ex-Rennpferde, unter-
stützt werden sie von Vereinspräsiden-
tin Patricia Kern, freiwilligen Helfern
und Gönnern. Arbeit gibt es genug –
zum Beispiel das Organisieren von
Veranstaltungen: Die Autorin und
Ausbilderin Nathalie Penquitt stand
mit einem Kurs zum Thema «Bodenar-
beit und Zirkuslektionen» auf dem
Programm; die Hufpflegerin Michaela
Wittwer zeigte Wissenswertes in ih-
rem Pferdhufseminar und Nicole Sei-
ler lud zu einem Bodenarbeitstag der
«Positiven Verstärkung». Ausserdem
war der Verein kürzlich am Polo-Cup
im zugerischen Hünenberg mit einem
Stand vertreten, der handgefertigte
Produkte anbot. Der Erlös dieser Akti-
onen, Spenden und Mitgliedschaften
kommen natürlich denen zugute, die
es am meisten verdient haben: den
Pferden auf dem Burgstallhof. Ohne
sie wäre der Verein «Zweites Leben für
Sportpferde» niemals zustande ge-
kommen; sie sind die Hauptakteure
bei der Durchführung der Kurse und
ein Beispiel dafür, dass ein Karrieren-
ende zufriedenstellend sein kann. Das
vierbeinige Team besteht aus acht Ex-
Galoppern und einem ehemaligen
Traber. Jedes Pferd hat in seinem
Sportlerleben grössere oder kleinere
Erfolge erleben können. Der 13-jähri-
ge Fuchswallach Rushing Dasher zum
Beispiel feierte fünf Siege am prestige-
trächtigen White Turf in St. Moritz;
La Bamba konnte sich in deutschen
Gruppenrennen platzieren, während
der Älteste im Bunde, Gone Debéri-
eux, den Sulky mehrmals als Erster
über die Ziellinie zog. Für die Mitglie-
der des Vereins steht nicht mehr die
Leistung des einzelnen Athleten im
Mittelpunkt, sondern das Lebewesen
Pferd.
Dass ein Leben nach dem Sport
durchaus spannend sein kann, er-
fuhr Hurricane Fly kurz nach seiner
Pensionierung: Zusammen mit den
Rentnerkollegen Moscow Flyer und
Hardy Eustace defilierte der Wallach
auf der irischen Rennbahn Curragh
am Champions Weekend vor Tausen-
den von Zuschauern und schien sich
über die grosse Aufmerksamkeit zu
freuen.