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EDITORIAL
Kavallo 9/2015
3
The Horse
Loving
Company
www.euro-star.de
Thomas Frei
Chefredaktor
Dressur – ein
falscher Begri ?
Kommt der Dressursport
im Kreuzga-
lopp daher, weil für diese Pferdesport-
disziplin ein längst überholter Begriff
verwendet wird? Dressur – so stehts
imWörterbuch – ist gleichzusetzen
mit Abrichten. Aber Hand aufs Herz:
Welcher Dressurreiter würde schon
sagen, er richte sein Pferd ab! Abge-
richtete Pferde haben wir in diesen
Tagen an der Europameisterschaft in
Aachen leider zu oft mitansehen müs-
sen. Hin und wieder auch wegblicken,
wenn sich einige verzweifelt aus dem
Korsett der andressierten Lektionen
zu befreien versuchten. Und dabei
hat doch der Präsident der Europä-
ischen Pferdesportvereinigung klar
gesagt, was unter Reiten zu verstehen
sei. Reiten, betonte Hanfried Haring
anlässlich der EM-Eröffnung in Aachen,
sei eine ständige Kommunikation zwi-
schen zwei Lebewesen, wobei zu guter
Letzt immer derjenige die Nase vorn
habe, der es erreicht habe, zu perfekter
Harmonie mit dem Pferd zu gelangen.
Wäre Totilas ein Einzelfall,
müsste über
den Dressursport keine Grundsatzdis-
kussion ausgelöst werden. Der schwar-
ze Hengst und sein Reiter Mathias
Rath sind es leider nicht. Geritten wird
imViereck schliesslich, was von den
Richtern hoch benotet wird. An der EM
wie an der WM der jungen Dressur-
pferde, wo ebenfalls Entsetzen aufkam.
Entsetzen über die Reiterei selbst und
vor allem darüber, dass diese dann auch
noch belohnt wurde.
Auf Abwegen ist die Dressur
nicht zum
ersten Mal. Die zu ihrer Zeit höchst an-
erkannten Ausbilder François Baucher
und James Fillis brachten den Pferden
Ende des 19. Jahrhunderts den Galopp
auf drei Beinen oder den Rückwärts-
galopp bei und ernteten für solch
artistische Lektionen vielfach grösste
Bewunderung. Aber auch damals
klatschten nicht alle Beifall und lehnten
diese Reiterei als unnatürlich ab.