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Kavallo 7/2015
r hatte realisiert, dass er gewon-
nen hatte. Das zeigte die Hand,
die er zur Faust geballt in den
blauen Himmel über dem Gründen-
moos reckte. Sein Gesicht jedoch
drückte ungläubiges Staunen aus. Die
Rolle des strahlenden Siegers ist noch
neu für Romain Duguet. Im April ge-
wann er in Paris seinen ersten Fünf-
Sterne-Grand-Prix. Und nun reitet er
am ersten Juni-Wochenende in St. Gal-
len das Turnier seines Lebens, wird
mit einer schon fast unheimlichen
Konstanz erfolgreichster Reiter der
Veranstaltung und nimmt fast 100000
Franken Preisgeld mit nach Hause.
Weshalb nun dieser Exploit, Herr Du-
guet?
Sensibles Spitzenpferd
«Meine Stute ist zurzeit super in
Form», wagt er einen Erklärungsver-
such und fügt an, wie stolz er auf Quo-
rida de Treho ist. Vier schwere Par-
cours hat sie ohne Fehler absolviert,
zwei im Nationenpreis, zwei im Gros-
sen Preis. Die 11-jährige Selle Français,
die er seit vier Jahren reitet, hat mit
Kannan den gleichen Vater wie Steve
Guerdats Olympiapferd Nino des Buis-
sonnets. Und sie ist wohl ähnlich sen-
sibel. «Ich musste erst lernen, ein sol-
ches Spitzenpferd zu reiten», sagt Du-
guet. Geholfen hat ihm dabei Thomas
Fuchs, der jede Woche zum Training
nach Gümligen BE fährt, wo er mit sei-
ner Frau Christina Duguet-Brechtbühl
ein Reitsportzentrum führt. Der ge-
bürtige Franzose aus Reims kam 2003
in die Schweiz. Er verdiente sich seine
Sporen erst bei Max Hauri in Seon,
dann im Stall Notz in Kerzers ab und
wurde im Herbst 2012 in der Schweiz
eingebürgert. Der Vater zweier Mäd-
chen besitzt seit Herbst 2012 einen
roten Pass und reitet nun die dritte
Saison für die Schweiz.
Genug von der Reservistenrolle
Duguet etablierte sich rasch an der na-
tionalen Spitze – in der Equipe musste
er sich allerdings oft mit der Rolle des
Edelreservisten zufrieden geben. Am
CSIO Schweiz vor einem Jahr war er
der fünfte Mann, ebenso bei den Welt-
reiterspielen in der Normandie. Vorge-
zogen wurde ihm jedes Mal Jane Ri-
chard Philips. Das Gleiche drohte Du-
guet nun auch im EM-Jahr 2015.
Inzwischen macht Equipenchef Andy
Kistler kein Geheimnis mehr daraus,
dass Steve Guerdat, Pius Schwizer und
Martin Fuchs für die EM in Aachen als
gesetzt gelten – und vermutlich wie-
der Duguet und Richard Philips um
den 4. Platz stechen. Im internen Du-
ell hatte die Amazone die Nase vorne,
nachdem sie in der Woche vor St. Gal-
len beim CSIO Rom mit Pablo de Vir-
ton zwei fehlerfreie Runden im Natio-
nenpreis abgeliefert hatte. Doch der
E
Neo-Berner nutzte in St. Gallen die
Möglichkeit zu kontern mehr als ein-
drücklich.
Die Routiniers patzten
Einen Podestplatz hatte der Equipen-
chef im Vorfeld gefordert und es hätte
sogar – zum ersten Mal seit dem Jahr
2000 – wieder ein Sieg werden kön-
nen. Doch ausgerechnet die Routini-
ers patzten. Pius Schwizer mit Amira
war zweimal das Streichergebnis der
Equipe, dadurch zählten die 12 Straf-
punkte von Steve Guerdat und Nino
des Buissonnets (4 im ersten, 8 im
zweiten Umgang) voll. «Das war eine
inakzeptable Leistung», schimpfte
Guerdat über sich selber. Nur schon
ein Abwurf weniger hätte für den Sieg
gereicht – die Gewinner aus Belgien
(mit Peter Devor / Dream of India
Greenflield, Niels Bruynseels / Pom-
mes du Heup, Jos Verlooy / Domino
und Gregory Wathelet / Conrad de
Hus) lagen in der Schlussrechnung
um nur 3 Punkte vorne.
Dass die Schweizer Equipe sich im-
merhin den 2. Rang und damit erst-
mals in dieser Saison wertvolle Punkte
für die Finalqualifikation sicherte, ver-
Ein entfesselter Romain Duguet feierte
das erfolgreichste Turnier-Wochenende
seiner Karriere (rechte Seite).
Rang 2 im Nationenpreis für die
Schweizer Equipe mit (v.l.)
Martin Fuchs, Steve Guerdat,
Pius Schwizer und Romain Duguet.
Foto: Valeria Streun
Foto: Katja Stuppia
SPORT
CSIO Schweiz