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Kavallo 7/2015
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Cotte, ein Schüler und Nachfolger des
berühmten Baumeisters Jules-Har-
douin Mansard, wurde mit der Pla-
nung beauftragt. Pierre le Mousseux
führte seine Entwürfe aus und entwi-
ckelte sie fort. So entstand die grossar-
tige Gesamtanlage mit dem hufeisen-
förmigen Ehrenhof «Cour Colbert»,
dem an der offenen Seite quer stehen-
den Schloss und den beidseits flankie-
renden Stallungen mit ihren dahinter
anschliessenden Nebenhöfen. Am 1.
Mai 1717 bezogen 200 Pferde aus Saint-
Léger ihre neuen Stallungen in Le Pin.
Das Schloss wurde in einer zweiten
Bauphase von 1719 bis 1724 errichtet.
Bis heute dient es repräsentativen
Zwecken und den Gestütsleitern als
Wohnsitz. Die im klassischen Stil des
Grand Siècle in Naturstein und Ziegel-
mauerwerk ausgeführten Bauten be-
zeugen in ihrer stilvollen Noblesse die
Bedeutung des Pferdes zu jener Zeit.
Ein wahrhaft royaler Ort der Pferde-
zucht!
Die Hauptaufgabe des königlichen
Gestüts bestand in der Zucht von Pfer-
den für die Armee und die Hofstallun-
gen in Versailles. Am Vorabend der
Revolution zählte man 196 Beschäler
und 40 Hengst- und Stutfohlen aus der
gestütseigenen Herde. Dazu kamen
132 sogenannte «anerkannte Pferde»
aus Privatbesitz, die der Kontrolle des
Gestütsverwaltungsinspektors unter-
stellt waren. Die feudale Institution
war den Revolutionären ein Dorn im
Auge. Am 20. Januar 1790 beschloss
die verfassungsgebende Nationalver-
sammlung den Verkauf der Hengste
des Haras du Pin. Dank einer Petition
des Departements Orne wurde eine
Le Pin
GESTÜTE EUROPAS
Station mit 40 Beschälern bis 1793 bei-
behalten, doch dann wurde auch de-
ren Verkauf unvermeidbar. Auch ein
grosser Teil der Gestütsländereien
ging während der Revolution in Pri-
vatbesitz über.
Renaissance im Kaiserreich
Zum Retter der französischen Gestüts-
verwaltung und ihrer Einrichtungen
wurde kein Geringerer als Napoleon
Bonaparte. Für seine ganz Europa um-
fassenden Eroberungspläne war er auf
eine grosse Zahl leistungsfähiger Pfer-
de angewiesen und dazu benötigte er
eine florierende Zucht im eigenen
Land. Das kaiserliche Dekret vom 4.
Juli 1806 stellte die während der Revo-
lution aufgelösten Staatsgestüte und
Hengststationen wieder her, zusätz-
lich gründete man eine Reihe neuer
Gestüte. In Le Pin wurden die wäh-
rend der Revolution veräusserten Gü-
ter zurückgekauft und ein Renovie-
rungs- und Erweiterungsprogramm
an den Baulichkeiten unter der Regie
des Architekten Desessart durchge-
führt. Die weitgehend entvölkerten
Stallungen wurden mit normanni-
schen Stuten und englischen Vollblü-
Le Pin liegt im Herzen der franzö-
sischen Pferdezucht und gilt als glanz-
vollstes Gestüt Frankreichs (rechts).
Der Blick in den Gestütshof
«Cour Colbert» lässt erahnen, weshalb
Le Pin als das «Versailles der Pferde»
bezeichnet wird (linke Seite).