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Kavallo 7/2015
as bedeutendste Staatsgestüt
Frankreichs liegt im Departe-
ment Orne, in der Basse-Nor-
mandie, der Pferdezuchthochburg
des Landes. Die hügelige Landschaft
mit ihren saftigen Weiden wird von
Hecken, Baumgruppen und Waldstü-
cken, verwunschenen Dörfern und
einzelnen Gehöften gegliedert. «Le
Pin» bedeutet schlicht Kiefer, der Na-
me des Ortes geht vermutlich auf ein
Kiefernwäldchen zurück. Majestä-
tisch thront das Schloss auf einer An-
höhe. Strahlenförmig laufen Alleen
und Blickachsen darauf zu. Hier wird
keinem Sonnenkönig gehuldigt, son-
dern prachtvollen Rössern. Das gewal-
tige schmiedeeiserne Hauptportal
zum zentralen Ehrenhof wird von
zwei vergoldeten Pferdeköpfen ge-
krönt, die zum Schloss und in die da-
rauf zulaufende Achse blicken, als
würden sie die Besucher aus aller
Welt willkommen heissen und zum
Abschied grüssen.
Die französische Gestüts-
verwaltung
Der Beschluss zur Gründung von
staatlichen Gestüten und zur Einrich-
tung einer zentral gelenkten französi-
schen Gestütsverwaltung jährt sich in
diesem Jahr zum 350. Mal. Ursprüng-
lich lag die französische Pferdezucht
weitgehend in der Hand des Adels, der
unter dem absolutistischen Regime
Ludwigs XIV. vermehrt zum Hofdienst
verpflichtet und dadurch dem Landle-
ben entfremdet wurde. Dies führte
zur Aufgabe zahlreicher Gestüte und
Frankreich sah sich zum ersten Mal in
seiner Geschichte gezwungen, Pferde
für die Armee aus dem Ausland zu im-
portieren. Im Kriegsfall hätte dies fa-
tale Folgen haben können und so ord-
nete Finanzminister Jean Baptiste Col-
bert 1665dieGründungdesnationalen
Gestütswesens an. Er liess Deckhengs-
te aus Andalusien, Belgien, Holstein,
Neapel und der Türkei importieren,
die auf den neu errichteten Staatsde-
pots aufgestellt wurden.
Das königliche Gestüt
1715 beschloss Ludwig XIV. die Verle-
gung des alten, königlichen Gestüts
von Saint-Léger nach Le Pin. Er erwarb
das dortige Gut vom Staatsrat von Be-
chameil, Marquis de Nointel, sowie
einen Teil des Waldes von Exmes. Hier
sollte der persönliche Wunsch des Kö-
nigs in die Tat umgesetzt werden: der
Ausbau der Domäne zu einem glanz-
vollen Gestüt, einem «Versailles der
Pferde». Kein Geringerer als der erste
Hofarchitekt des Königs, Robert de
«Herz der französischen Pferdezucht», «Versailles der Pferde» – Le Pin hat viele Namen.
Seit 300 Jahren fasziniert uns dieser Ort, der zunächst als königliches, dann als
kaiserliches und bis heute als nationales Gestüt die französische Pferdezucht
beeinflusst und die gesellschaftliche Entwicklung der «Grande Nation» widerspiegelt.
text
Alexandra Lotz
fotos
Gabrielle Boiselle, Alexandra Lotz
Wie die «Grande Nation»
ihre Pferde ehrte
D
GESTÜTE EUROPAS
Le Pin