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Altefeld
GESTÜTE EUROPAS
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Kavallo 6/2015
felds einbrachte, entstand eine Ge-
stütsanlage, die den modernsten Er-
kenntnissen in der Pferdezucht ent-
sprach. Zwischen 1913 und 1919
wurden Stallungen für Hengste, Stu-
ten und Aufzuchtpferde, in deren
Nachbarschaft Wohnhäuser für die
Gestütsbediensteten, Schule, Gasthof,
Gärtnerei, Försterei, Schmiede, Schä-
ferei und Gutshof auf einer etwa 800
Hektar grossen Fläche gebaut. Die Ge-
stütsanlage, die auch über einen Kran-
kenstall mit OP-Gebäude und ein Kre-
matorium verfügte, bildete eine in
sich vollkommen abgeschlossene, aut-
arke Welt.
Bewährtes übernommen,
anderes verbessert
Die Anlage folgte den Grundsätzen
des rund 180 Jahre älteren Hauptge-
stüts Trakehnen. Was sich dort be-
währt hatte, wurde übernommen, an-
deres verbessert. Die Grundidee der
Gesamtanlage bestand darin, die Stal-
lungen räumlich weit voneinander zu
trennen, um im Fall von Seuchen die
betroffenen Pferde besser isolieren zu
können. Zu diesem Zweck wurde der
Pferdebestand überdies in kleinere
Einheiten gegliedert.
Das Gestüt wurde für vier Hauptbe-
schäler und eine Herde von 50 Zucht-
stuten mit zwei Fohlenjahrgängen
konzipiert. Für die Mutterstuten wur-
den drei Ställe mit jeweils vier Weide-
abteilungen angelegt. Der abseits gele-
gene Waldstall diente der Aufnahme
güster und fremder Stuten. Hier wur-
den auch die Mutterstuten während
der jährlich stattfindenden Desinfek-
tion ihrer Ställe untergebracht. Den
Gaststuten standen vier Ställe für je
zehn Stuten zur Verfügung, denen ei-
gene Koppeln angegliedert waren. Da-
zu kamen Laufställe für die Hengst-
und Stutfohlen mit ausgedehnten
Weideflächen beidseits des Tals. Die
Zuchthengste residierten weit von
den anderen Stallungen entfernt im
Hauptbeschälerstall, der über vier ge-
räumige Boxen und daran angrenzen-
de sicher von Mauern umschlossene
Weiden verfügte. Hier gab es auch
zwei von Kiesausläufen umgebene
Deckhallen für gestütseigene und
fremde Stuten, die zur Bewegung der
Hengste bei schlechtem Wetter ge-
nutzt wurden. Von solchen Bedingun-
gen können viele Hengste 100 Jahre
später nur träumen! Major Lebrecht
Opitz, der in den Dreissigerjahren das
Remontedepot Altefeld leitete, fasst
zusammen, was heute noch gilt: «Zu
bewundern bleibt, eigentlich für im-
mer, die Sorgfalt und Umsicht, mit
der diese wahrlich grossartige Anlage
sowohl geplant wie auch baulich,
trotz der kriegsbedingten Schwierig-
keiten in den Jahren des Ersten Welt-
kriegs, geschaffen worden ist.»
Altefelder Zucht- und
­Rennerfolge
Im Februar 1919 kamen die ersten 33
Vollblutstuten aus Graditz und vier
weitere aus dem damals noch existie-
renden Hauptgestüt Beberbeck. Der
Rest der in Graditz verbliebenen Mut-
terstuten kam 1921 hinzu. 1924 ver-
fügte Altefeld über vier Hauptbeschä-
ler, 50 Mutterstuten und zwei Fohlen-
jahrgänge von rund 45 Pferden. Zu
den Hauptbeschälern der ersten Alte-
800 Hektar gross war das Gestüt
Altefeld vor hundert Jahren bei der
Gründung, 135 Hektar ermöglichen
den modernen Zuchtbetrieb – im Bild
das Hauptgebäude – noch immer
beste Bedingungen (links unten).
Der berühmte Alchimist erinnert an
die ruhmreiche Vergangenheit Altefelds
als Vollblutgestüt (links).
Ein Teil der Stallungen ist in ihrem
Originalzustand wie vor 100 Jahren
erhalten geblieben (oben).