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Kavallo 5/2015
HAUPTTHEMA
Freiberger
Ruf. Die Deutschen, Franzosen, Italie­
ner, aber auch Belgier und Holländer
haben in den letzten Jahren die Qua­
litäten des 150 bis 160 cm grossen,
meist braunen oder fuchsfarbenen
Pferdes in allen Farbnuancen ent­
deckt. So gingen auch gute Zucht­
hengste und -stuten ins Ausland und
werden dort zur Vermehrung ein­
gesetzt. Die gezielten Prüfungen zur
­Selektion, die der Schweizerische Frei­
bergerverband (SFV) durchführt, ge­
niessen grosse Beachtung. Das Freiber­
gerpferd wird nicht nur auf gute Cha­
raktereigenschaften gezüchtet, man
ist auch bemüht, diese beim dreijähri­
gen Pferd anlässlich des Feldtests zu
prüfen. Diese strenge Selektion steht
aber nicht selten auch in der Kritik.
Fohlenbeurteilung hat verloren
Während Jahrzehnten wurde eine ers­
te Auswahl der Pferde an den Herbst­
ie 40 Freiberger stehen ruhig
am Anbindeplatz. Es ist Ver­
kaufsschau in Sumiswald BE.
Hier werden seit 17 Jahren Freiberger­
pferde zum Verkauf angeboten. Ur­
sprünglich waren es mehrheitlich
Pferde von Landwirten aus der Region.
Heute ist die Verkaufsplattform längst
in der ganzen Schweiz bekannt, bei
Züchtern wie auch bei der Käufer­
schaft. Der mögliche Vergleich unter
gleichwertigen Pferden einer Rasse
wird dabei als grosser Pluspunkt be­
trachtet.
Unkomplizierter Partner
Eine junge Frau steht vor einem vier­
jährigen Wallach. Die beiden begut­
achten sich. Die 26-Jährige ist auf der
Suche nach einem Freizeitpferd, wie
sie erklärt. Sie möchte einen unkom­
plizierten Partner zum Ausreiten, ein
wenig Dressurreiten unter Anleitung,
vielleicht auch etwas Springen, «wenn
sich das Pferd dafür eignet», ergänzt
sie. Sie möchte ein gesundes, charak­
terstarkes Pferd, einen Allrounder, der
ihr auch einmal erlaubt, ein Wochen­
ende blauzumachen oder vielleicht
auch mal ein paar Tage im Ausland zu
verbringen, ohne dass sie sich dabei
Sorgen machen muss, wer daheim das
Pferd bewegt. Diese junge Frau, die
überzeugt ist, beim Freiberger auf
das richtige Pferd zu setzen, wider­
spiegelt mittlerweile ein wich­tiges
Kundensegment dieser Rasse. Wäh­
rend der Freiberger noch vor wenigen
Jahrzehnten in erster Linie für die
Landwirtschaft gezüchtet wurde, geht
der grösste Teil heute in die Freizeit­
reiterei. Da sind genau jene Eigen­
schaften gefragt, auf die in der Zucht
des Freibergers grosser Wert gelegt
wird.
Gezielte Veredelungszucht mit
Warmblut- und auch Vollbluthengs­
ten hat dabei gute Dienste geleistet.
Das Bild des Ackergauls im kalten
Schlag ist ­Geschichte. Dennoch hat es
der Freiberger im eigenen Land grund­
sätzlich etwas schwerer als im nahen
Ausland. Seine Vergangenheit auf
dem Feld hängt als Klischee an seinem
Die einzige Schweizer Pferderasse geniesst wohl grosse
Beachtung. Dennoch kämpfen die Züchter mit
Absatzproblemen und mit der Herausforderung, ihre
Populationsgrösse halten zu können.
text
Simone Barth
fotos
Simone Barth, Helene Marti, HelMa Fotografie
Der Freiberger –
beliebt, aber bedroht
D
EmotionaleWerte sind es, die zum
Kauf eines Freibergerfohlens führen.
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