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Kavallo 5/2015
REPORTAGE
Oft kommt etwas Glück zurück
Mit ihrer Arbeit machen sich dieWildhabers nicht immer Freunde. Den Besitzern
der vernachlässigten und misshandelten Tiere gefällt es oft gar nicht, dass jemand
genau hinschaut. Aber immer wieder kommt es vor, dass die ehemaligen Notfälle
etwas von ihrem Glück zurück in die Auffangstation bringen. Titus’ neue Besitzerin
beispielsweise pflegt guten Kontakt zur Susy Utzinger Stiftung für Tierschutz, die
kürzlich mit vielen Helfern nach Bad Ragaz reiste, um dieWildhabers an zwei Sams-
tagen dabei zu unterstützen, die Ausläufe trockenzulegen und zu befestigen.
«Das hätten wir alleine nie geschafft, es ist fantastisch», sagt Wildhaber und blickt
mit einem breiten Lachen zu ihrer bunten Herde im Auslauf.
das Fahren am Ende mal so viel Freude
macht.»
Mehrmals pro Woche wird Angela
Wildhaber wegen Eseln und Ponys in
Not angerufen. Über die Jahre sind
meh und mehr Tiere geworden. Zum
Beispiel eine Ponyfamilie, die nicht
einmal auf drei Quadratmetern lebte,
oder die Stuten Kayowa und Shanaya,
die ungepflegt und fett gefüttert an
schwerer Hufrehe litten. Die Tierarzt-
kosten waren dem Besitzer zu hoch.
Gut funktionierendes Netzwerk
Nicht alle tierischen Notfälle kommen
in die Auffangstation, die auf dem Hof
von Eugen Häusler eingemietet ist. Oft
nutzt Angela Wildhaber auch ihr Netz-
werk, um Tieren zu helfen, die noch
bei ihren bisherigen Besitzern sind.
Vieles davon läuft über die Facebook-
Seite der Station. Ponyhengst Shannon
beispielsweise leistete einem Freizeit-
pferd Gesellschaft. Doch der Kleine
brach ständig aus und wurde der Besit-
zerin dadurch lästig. Die Auffangstati-
on sammelte Spenden für die Kastrati-
on des Hengstes und vermittelte ihm
einen neuen Platz in der Nähe von
Winterthur. Bald ist Shannon, der
jetzt Titus heisst, für die Fahrausbil-
dung bei Angela Wildhaber zu Gast.
Auf treue Helfer ist die Auffangsta-
tion, die das Ehepaar Wildhaber selbst
und mit einigen Spenden finanziert,
angewiesen. Ein ganzes Team ist regel-
mässig für die Tiere im Einsatz, wie
zum Beispiel Corina Peter, Vera Aver-
kamp, Madlaina und Ursina Nett, Pris-
ka Hämmerle oder Nadja John. Auch
Koni Vogel kommt fast täglich auf den
Hof. Er ist der Pate von Esel Manolito,
der einst in einem Kuhstall stand und
zu Salami verarbeitet werden sollte.
«Aber er hat mich ausgesucht», sagt
der 74-Jährige und lacht. Er sei bei ei-
nem Spaziergang mit Wildhaber ins
Gespräch gekommen «und plötzlich
hatte Manolito seinen Kopf unter mei-
nen Arm geschoben». Da war es um
Koni Vogel geschehen. «Ich hatte bis
dahin nie mit Eseln zu tun, aber seit-
her kann ich nicht mehr ohne.» Er
nimmt seinen Patenesel oft auf lange
Wanderungen mit und – begleitet von
Pony Benjie – auch in sein Ferienhaus
in den Bergen. Um dieses zu errei-
chen, legen Mann, Esel und Pony ei-
nen Teil der Strecke sogar in einer Seil-
bahn zurück. «Alles kein Problem»,
sagt Vogel, der derzeit Fahren lernt,
um eine weitere Beschäftigung für
Manolito zu haben.
Manolito hatte sich Koni Vogel als
Paten ausgesucht (links) – der
74-Jährige begann daraufhin noch
mit dem Fahren.
Olivia hilft so oft sie kann auf der
Auffangstation (unten). Mit Gipsy
übt sie fleissig Zirkuslektionen; nach
Bad Ragaz kam das Pony, weil es
begann, Kinder zu beissen.