Seite 6 - Kavallo Flippingbook Projekt

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AKTUELL
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Kavallo 4/2015
Pferdeäpfel als Chilbirenner?
Manchmal fühlt man sich als Pferde-
mensch fehl am Platz, im falschen Film,
steht quer in der Landschaft. Sie, verehrte
Leserin, verehrter Leser, werden dieses Ge-
fühl möglicherweise kennen. Gerade jetzt
ist wieder so ein Zeitabschnitt. Bedrückt
sieht man sich ratlos und hilfesuchend
um. Fühlt sich mutterseelenallein, richtig
isoliert. Jetzt, wos mit Riesenschritten auf
Ostern zugeht. Kaum ist der letzte Bissen
Königskuchen hinuntergewürgt (und der
psychische Tiefschlag, dass man einmal
mehr nicht König wurde, verwunden),
kaum hat man das letzte rosarote Schog-
giherzli vom Valentinstag hinunterge-
schlurzt – was passiert? Genau: Armeen
von Schoggihasen stehen in den Verkaufs-
gestellen! Legionen von Kakaochüngeln
werden angeboten, seis im Landkiosk, seis
beim Grossverteiler. Aber weit und breit
kein Schokoladenpferd!
Und da komme ich bereits zum Kern der
Sache: Es ist einfach nur fragwürdig, wie
der Kommerz gewisse Tiere als Reklame-
träger für Leckereien aller Art einsetzt. Im-
mer nur gewisse! Seit Jahr und Tag. Es sind
immer die gleichen Repräsentanten der
Fauna, die sich als Süssigkeitsträger ver-
marktet sehen. Auch wenn allfällige Aktu-
alitätsbezüge oftmals an den Haaren her-
beigezogen anmuten.Was hat denn, bitte
schön, so ein Hase mit Ostern gemein?
«Symbol der Fruchtbarkeit» – wer hat
denn das nicht schon gehört? Allerdings
ist zuzugeben: Wer schon mal ein Karni-
ckel beim Liebesspiel mit einer Karnickelin
… Aber da ist Diskretion angesagt, deut-
licher darf man nicht werden, es kann ja
jederzeit sein, dass ein Jugendlicher den
«Kavallo» in die Hände bekommt.
Wie auch immer. Das mit den Osterhasen
war ja nur ein Beispiel, um Ihnen, verehrte
Leserschaft, zu zeigen, was ich meine. Da
müssen wir jetzt nicht alles an den un-
schuldigen Schoko-Langohren festma-
chen; da gibts andere Beispiele zuhauf.
Das ist mir kürzlich wieder in den Sinn ge-
kommen, als ich für die eine unserer Töch-
ter am Kiosk Colafröschli verlangte (als
Rentner gab ich kleinlaut und begleitet
von sanftemGesichtsrot zu Protokoll, dass
die Zuckeramphibien dann keinesfalls für
mich selber bestimmt seien, was mir zu-
erst ein zweifelndes Stirnrunzeln, dann
ein vertrauliches Augenzwinkern der Ki-
oskdame bescherte). Und was sich da
beim Konditor alles Süsses mit Tierbe-
zeichnungen tummelt! Hefeschnecken,
Vogelnestli, im Umfeld von Schaffhausen
die legendären Chatzezüngli, im Raum
Einsiedeln die lebkuchenähnlichen Schaf-
böcke, sodannMandelfische, auch Bienen-
stiche. Auf Silvester hin die herzigen Mar-
zipansäuli mit dem Glücksräppler im
Schnörrli, Schoggimarienkäferli ( jöh!) im
schwarzgepunkteten Staniol, Schoggi-
müsli, deren Zuckerfüllung dereinst eines
meiner zahlreichen Zahnimplantate zum
Opfer fiel, sodann die nach Meister Petz
benannten Bäretatze und Bäredräck. Auch
die Biber sind zweifach vertreten, einmal
als mandelmassengefüllter Fladen oder
als Appenzeller Erzeugnis in praktischer
Hosentaschengrösse. Dieser Präsenz an
Bäckereierzeugnissen hat der arme Metz-
ger mit seinen einsamen Fleischvögeln
nur wenig entgegenzusetzen. Die Lands-
leute im grossen Kanton führen sich gele-
gentlich einen Kalten Hund oder einen
Falschen Hasen zu Gemüte.
Was ich damit sagen will: Es ist einfach
nur beklagenswert, dass sich nirgends im
Naschsektor ein intellektueller Bezug zu
unseren Vierbeinern findet. (Schimmelpilz
gilt ja nicht als kulinarische Delikatesse.)
Das darf doch so nicht bleiben!Wir Pferde-
leute sind doch auch nicht niemand! – Ge-
rade kommt mir noch eine Idee: Könnte
man in Anlehnung an die auf den Jahr-
märkten angebotenen zuckergussrotla-
ckierten «Liebesäpfel» einen «Pferdeap-
fel», vielleicht – einfach nur so als Beispiel
– gehüllt in braunes Marzipan, kreieren?
Es wäre ums Probieren zu tun. Ob das ein
Chilbiverkaufshit werden könnte? Zweifel
sind erlaubt …
Oskar Dumont
Schweizer dozieren über pferdegestützteTherapie in Bulgarien
«Napred! – Vorwärts!», sagt der Bulgare
zu seinem Pferd, wenn es losgehen soll.
Losgegangen ist es auch mit dem bulga-
risch-schweizerischen Projekt, die pfer-
degestützte Therapie in das Partnerland
zu bringen. Im Februar 2015 weilten zwei
Dozentinnen von Pferdegestützte The-
rapie Schweiz (PT-CH) im Ruse Eques-
trian and Breeding Club und tauchten
zusammen mit ihren Studenten in das
Grundlagenwissen ein. Die Bulgaren
warenmit Motivation und grossem Inte-
resse dabei. Für die zum Teil erfolgrei-
chen Springreiter war die neue Art der
Zusammenarbeit mit dem Pferd ein
spannender Ansatz. PT-CH hatte sich
mit seinem Konzept im Rahmen der Ent-
wicklungshilfe in den neuen EU-Ländern
den 1. Preis geholt.
Das Führen von bulgarischen
«Pferdemenschen» bereitete
viel Spass.
Foto: zvg