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Kavallo 4/2015
KOPF AN KOPF
Das Reiten als Lehrer zu vermitteln, stellt besondere Anforderungen.
Der Deutsche Eckart Meyners, Dozent für Sportpädagogik, setzt sich mit der
Ausbildung von Mensch und Pferd seit 30 Jahren auseinander und fordert:
Reiten muss erfühlt und nicht über Anweisungen erlernt werden.
interview
Thomas Frei
fotos
Valeria Streun
Reiten ist die komplexeste
Sportart überhaupt
Einer sportwissenschaftlichen Durchdringung hat sich die
Reiterei lange widersetzt. Sportpädagoge Eckart Meyners
hat das als Erster erkannt und setzt sich seit drei Jahrzehn-
ten unermüdlich mit Lehrbüchern, Seminaren und Vor-
trägen dafür ein. Weil er Reiten als komplexeste Sportart
überhaupt einstuft, liess er sich von den anfänglichen Wi-
derständen aus der traditionellen Reiterszene nicht entmu-
tigen. Zum Glück, denn mittlerweile ist er ein gefragter
Referent bei den Berufsreiterverbänden wie bei Kadertrai-
Bewegungswissenschaftler Meyners
weiss, dass die Ursachen für Sitzfehler nie
dort liegen, wo sie gesehen werden.
nings. Den Schweizer Dressurnachwuchs betreute Eckart
Meyners erstmals im Frühling 2014, Ende September
kommt er erneut für ein Wochenendseminar nach Bern.
Wer reiten will, muss als Mensch nicht nur ein gutes Bewe-
gungsgefühl entwickeln, er muss sich auch auf seinen Part-
ner Pferd einstellen können. Um dies zu veranschaulichen,
hat er neben die allgemein bekannte Skala der Ausbildung
auch eine Skala der Ausbildung für Reiter gestellt. Ausbil-
der müssen ausserdem über viel Reitwissen verfügen und
didaktische Fähigkeiten haben.
Worin unterscheidet sich Reiten Ihrer Meinung nach von
anderen Sportarten? Reiten bezeichnen Sie sogar als kom-
plexeste Sportart überhaupt.
Der Unterschied zu einer anderen Sportart ist schon darin
zu sehen, dass wir es beim Reiten mit zwei beseelten Lebe-
wesen zu tun haben. Der Reiter muss deshalb über sehr viel
Sensibilität verfügen, um im richtigen Augenblick agieren
oder reagieren zu können. Und diese Fähigkeit sollte er erst
noch in relativ kurzer Zeit entwickeln. Doch es dauert Jah-
re, bis man in der Lage ist, das Pferd zu fühlen, um danach
über Reiterhilfen auf es einwirken zu können.
Beim Reiten sind zwei unterschiedliche Lebewesen
gleichzeitig in Bewegung.Wie bringen Sie diese in
Übereinstimmung?
Viele Reitlehrer verstehen viel von den Bewegungsabläufen
der Pferde, oft aber relativ wenig von den ganzheitlichen
körperlichen Zusammenhängen beim Menschen. Doch das
ist für den Reitlehrer nur eine Schwierigkeit beim Erteilen
von Reitunterricht. Jedes Pferd-Reiter-Paar ist individuell,
das wegen der gegebenen anatomischen Eigenheiten nicht
einmal unbedingt zusammenpasst. So verwundert es nicht,
wenn das Pferd bei offensichtlichen Schwächen des Reiters
das erhoffte Ziel nicht erreichen und weder der Reiter vom