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Kavallo 3/2013
Das Glücksgefühl, in voller Harmonie von der Bewegung
des Pferdes mitgenommen zu werden, kennt Barbara Gors-
ler bestens. Und dennoch schreibt sie im Vorwort zu ihrem
Buch «Von unseren Pferden lernen», dass Reiten nicht alles
sei! Denn in den von ihr organisierten Führungsseminaren
ist es für sie faszinierend, zu beobachten, wie sensibel sich
Pferde auf die Menschen einlassen und ihnen gar helfen,
Aufgaben zu lösen. Übers Führen hat sie die ersten Hippo-
kontakte hergestellt. Als Kind sprach sie an Concours Reiter
an und bat sie, das Pferd halten und führen zu dürfen. Und
manchmal lag sogar Schrittreiten drin. Dabei blieb es
nicht: Mithilfe im Stall und auf Turnieren ermöglichte ihr
das Reiten. Zuerst Springen, später auch Dressur. Dank ih-
rem guten Draht zu Georg Wahl, der sie mit väterlicher
Unterstützung an seiner immensen Erfahrung teilhaben
liess, schaffte sie es bis auf Stufe S. Doch weil Reiten für sie
nicht alles ist, engagierte sie sich später als Dressurrichte-
rin. Seit einigen Jahren führt die promovierte Volkswirtin
pferdegestützte Führungstrainings durch und lernte die
Pferde wieder vor einer neuen Seite kennen.
Als Reiterin, Dressurrichterin und Kommunikations-
trainerin begegnen Sie Pferden ganz unterschiedlich.Wie
gehen Sie damit um?
Ich habe eine grosse Passion für Pferde. Ich bin fasziniert
von der Eleganz, der Schönheit, dem edlen Charakter und
liebe das Gefühl beim Reiten, wenn man nur denken muss
und das Pferd einfach fein den Hilfen folgt. Das Schweben
wie auf einer Wolke ist so herrlich wie die Dynamik beim
Springen. Faszinierend ist auch, wie wir mit den Pferden
kommunizieren können, auf welch feine, subtile Signale
sie reagieren. Ich finde es berührend, wie Pferde sich auf
uns Menschen einlassen, beim Reiten ebenso wie bei der
Wie Pferde sich auf den Menschen einlassen können,
ist für Barbara Gorsler sehr berührend. Beim Reiten
ebenso wie in Augenhöhe vom Boden aus. Oder ganz
besonders auch in pferdegestützten Führungstrainings,
wo sie unser wahres Inneres spiegeln.
interview
Thomas Frei
Wie Pferde unser Inneres
hervorkehren
KOPF AN KOPF
Begegnung vom Boden aus. Dann wiederum können sie
auch zum Lehrmeister werden und uns dazu auffordern,
bestimmte Verhaltensweisen zu überdenken oder zu korri-
gieren. Je mehr ich mich mit den hochsensiblen Pferden
beschäftige, desto mehr macht es mir zu schaffen, wenn
auf ihrer Seele herumgetrampelt, ihre Grosszügigkeit aus-
genutzt wird und ihre Bedürfnisse missachtet werden. Pfer-
de geben uns so viel, dass es meiner Ansicht nach unsere
Pflicht und Verantwortung ist, uns auch um ihre Befind-
lichkeiten zu kümmern.
Reiten, schreiben Sie, sei nicht alles?
Gewiss ist das Bewegungsgefühl auf dem Pferd, wenn es in
feiner Anlehnung geht, etwas Wunderbares, Erhebendes.
Es ist grossartig, wenn das Pferd freudig mitmacht, zum
Beispiel beim Springen. Auch in der Dressur gibt es Momen-
te, in denen man spürt, es macht dem Pferd richtig Freude,
sich zu präsentieren. Mir macht es aber ebenso Spass, die
Freude meiner Pferde zu betrachten, wenn sie in wilden
Bocksprüngen über die Weide springen. Ein schönes Gefühl
ist es auch, wenn ich bei der Bodenarbeit spüre, wie ich zu
meinem Pferd einen «unsichtbaren Draht» habe und wie es
mir vertraut. Auch wenn ich Reitstunden gebe, habe ich
In den Führungstrainings hat Barbara Gorsler die
Pferde von einer neuen Seite kennengelernt.