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Kavallo 1-2/2015
Rückblicke? Bitte nicht …!
Vielleicht gehts Ihnen, verehrte Leserin,
verehrter Leser, wie mir auch. Man hat –
kaum nimmt das neue Jahr seinen Lauf –
den «Kanal» noch voller als ein Schleusen-
wärter am Burgunder Flüsschen. Man
mag es nicht mehr hören, nicht mehr se-
hen. Aber alle Jahre wieder werden einem
die bis zum Gehtnichtmehr bekannten
Geschichten der vergangenen 365 Tage
noch einmal vor Augen geführt. Es ist
unsäglich mit diesen Jahresrückblicken.
Sondersendungen, Zusammenfassungen,
Spezialausgaben. «Der Blick zurück», «Was
2014 die Welt bewegte», «Highlights
2014» und Ähnliches. Gutes wie Böses aus
vergangenen Tagen und Monaten wird
nochmals handwarm aufgepimpt und
mundgerecht präsentiert. Böses bekla-
genswerterweise oft ein My schwerge-
wichtiger als Gutes. Brauchts das? Will
man das?
Und auch heuer wird man in diesen Wo-
chen des Neubeginns mit der Vergangen-
heit beträufelt. Die Gegenwartsstim-
mung ist allerdings bei uns allen ganz
anders.Wir leben doch nicht imVergange-
nen, wir schauen nach vorn: gute Wün-
sche, gute Vorsätze, vorwärts, allez hop,
avanti, vom Schritt in den Galopp!
Insbesondere die ganzen Kriegsgeschich-
ten und anderen Schweinereien brauchen
wir effektiv nicht wiederholt serviert!
Wenn man diese Sachen stets aufwärmt,
wird dieWelt davon auch nicht besser.Ver-
gleichsweise immerhin deutlich leichtere
Kost sind die Storys um mehr oder weni-
ger Prominente aus Film, Funk und Fern-
sehen sowie ein paar eher wenig belas-
tende Events aus diesem unserem Lande
oder manchmal sogar ein bisschen darü-
ber hinaus. Aber auch da: Wollen wir das
alles noch einmal durchkauen?
Um nur ein paar Stichworte zu Beispielen
zu nennen, in einer ungewichteten Auf-
zählung: der hängen gebliebene Mars-
roboter, der Gemüsegarten vor demWeis-
sen Haus (beackert von einer präsidialen
Kräuterfee), Masseneinwanderungslawi-
nen, blümchenspendende Beau-Bachelors
mit ihrem Trüppchen jungfräulicher Stan-
gentänzerinnen, Frauenquotenrangeleien,
genveränderte Maisfelder, aufrüstende
Flussbiberschwadronen, landesbedrohen-
de Grauwolfinvasionen, Dichtestress,
80-jährige Troubadoure, blonden 17-Jähri-
gen nachtrauernd, gut aussehende Kaf-
feekapselvertreter auf venezianischen Ka-
nälen imMietvaporetto auf Hochzeitsaus-
flug, Dschungelcamp mit Känguruhoden-
degustation, Zwillingsgeburten im Multi-
pack bei CH-Tennisstars und monegassi-
schen Blaublütern usw. Kennen wir doch
alles zum Übergenug. Muss man uns
nicht alles noch einmal aufs Auge drü-
cken. Bringt uns alle nur ins Grübeln. Den-
ken wir nur mal an die Sache mit den
vielen Zwillingen bei unserer Familie F.
(voller Name kann aus Datenschutzgrün-
den nicht angegeben werden). Wie soll
sich denn eine solche Grossfamilie ernäh-
ren? Das kostet doch eine Stange Geld!
Nur wegen ein paar lächerlicher Tennis-
gagen sind die Leute noch lange nicht auf
Rosen gebettet. Aber eben, das sind Prob-
lemstellungen, die auf 2014 zurückgehen.
Und anderer Personen Sorgen müssen
wir nicht zu unseren eigenen machen.
Schwamm über 2014. Vorbei. Delete.
Im ganzen Informationstrubel sind Ihnen
möglicherweise, verehrte Leserin, verehr-
ter Leser, die wirklich wichtigen Dinge ent-
gangen. Oder war Ihnen bewusst, dass
2014 der Grünspecht Vogel des Jahres
war? Oha! Sehen Sie? Oder der Stör Fisch
des Jahres? Eben. So schnell übersieht
manWichtiges.
Und für unsere Zunft war (wäre gewe-
sen …) das Hauptsächlichste: 2014 galt
gemäss Chinesenkalender als das Jahr des
Pferdes! Da müssen sich wohl viele von
uns an der Nase nehmen. Schöne Pferde-
freunde sind wir!
Oskar Dumont
NB: Alles Gute zum neuen Jahr!
Trakehner Gribaldi ander Spitze
der Dressurvererber
Der 2010 verstorbene Trakehnerhengst Gribaldi von Kostolany-
Ibikus führt die Vererberrangliste Dressur der World Breeding
Association (WBSFH) unter dem Dach der FEI an. Mit 29,497
Punkten ziert der Trakehnerhengst aus der Zucht von Marika
Werner die Position eins der Vererber-Rangliste 2014 noch vor
De Niro (25,253), Florestan I und Donnerhall. Gribaldi ist Vater
etlicher gekörter Hengste und bedeutender Prämien- und
Staatsprämienstuten sowie hoch erfolgreicher Sportpferde
wie Totilas.
Gribaldi anlässlich der Trakehnerkörung 1995,
die er als Sieger abschloss. (zvg)
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