Seite 14 - Kavallo Flippingbook Projekt

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HAUPTTHEMA
Wintersport
14
Kavallo 1-2/2015
W
interwunderland lockt seit
150 Jahren in die Berge.
Dem mir im Zugabteil ge-
genübersitzenden Australier ist es
nicht anders ergangen. Der Grund sei-
ner Reise gibt das Thema für weitere
Gespräche. Im Fernsehen sei ein Bei-
trag über den White Turf im Engadin
ausgestrahlt worden. Da hätten sie
sich gesagt, wenn das so sei, müssten
sie sich das mit eigenen Augen anse-
hen. Nicht nur sehen, auch riechen
musste er das Postkartenwetter, das
uns nach dem Albulatunnel empfing:
Die klirrende Kälte schreckte ihn
nicht davon ab, er musste seinen Kopf
zum Fenster hinausstrecken und die
Schneeluft einatmen. Mich freute es,
dass er am Ziel seiner langen Reise Be-
dingungen wie im Film antraf und ei-
nen Bilderbuch-Renntag erlebte – Ga-
lopp-, Trab- und Skikjöringprüfungen
vor imposanter Bergkulisse.
Die Bergwelt im Schnee im Allge-
meinen und der weisse Pferdesport im
Besonderen locken seit eh und je.
Denn schon 1907 wurde im «Engadin
Express & Alpine Post» die Frage ge-
stellt: «Wer zählt die Völker?» Freilich,
ein Ansturm war erwartet worden.
Mit einem Extrazug wurden die Besu-
cher aus den Gauen jenseits der Berge
ins Engadin gefahren. Und was in St.
Moritz einen so durchschlagenden Er-
folg hatte, fand Mitte letzten Jahrhun-
derts in der ganzen Schweiz Nachah-
mung. Auch der Obersee in Arosa wur-
de Schauplatz von Pferderennen,
internationale Springprüfungen wur-
den in Davos durchgeführt, Pferde-
sport auf Schnee in allen Variationen
lockte ebenso in die Winterkurorte
Adelboden und Gstaad. Für den auf-
kommenden Fahrsport gab es Schlit-
tenturniere. Und das extravagante St.
Moritz inszenierte 1985 mit Erfolg auf
dem gefrorenen See den Cartier Polo
World Cup on Snow.
Respekt vor dem Schnee
Grosse Unterschiede für das Training
von Pferden für Schnee, Sand oder
Gras lassen sich schwer finden und
doch ist bei Trainern wie Besitzern viel
Respekt gegenüber dem Schneeturf zu
spüren. In früheren Jahren vielleicht
text
Thomas Frei
Was Tausende von Zuschauern auf dem gefrorenen St. Moritzersee
fasziniert, lieben Pferdefreunde nicht weniger –Winterfreuden mit dem
Pferd. Ins Engadin soll der Hotelier Johannes Badrutt englische Gäste
mit einer Wette gebracht haben mit demVersprechen, im Hochtal sei es
milder als im neblig-feuchten London.
Pferdeplausch
auf Schnee und Eis
noch mehr als heute. Besonders vor-
sichtig scheint man bei den Trabern
zu sein, denn – so sagt man sich – wer
zu früh auf Schnee rennt, macht mehr
kaputt, als dass er gewinnt.
So wie sich die Piste – seit 1960
wird das Geläuf mit einem Pistenfahr-
zeug präpariert – heute präsentiert,
scheint die Schneeeignung der Pferde
etwas in den Hintergrund zu rücken.
Ob es die herumfliegenden Schnee-
schollen sind, die empfindlicheren
Pferden nicht behagen, oder der gleis-
sende Schnee, der sensible Vollblüter
unsicher macht – warum nicht alle
Pferde gleich gut auf Schnee wie auf
Pferderennen gibt es rund
um den Erdball, Pferderennen
auf Schnee allerdings ist eine
Engadiner Exklusivität, die bis
ins Jahr 1907 zurückreicht.
Foto: swiss-image.ch/andy Mettler
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