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Reitunterricht 3
LEKTION
31
Kavallo 10/2015
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Zu Beginn kommt eine Verunsicherung
auf, weil man noch nicht gelernt
hat, sich mit sich selbst und dem Pferd
zu beschäftigen.
ass es auf dem Weg zu einer
neuen Form des Reitunter-
richts nur in kleinen Schrit-
ten vorwärtsgehen kann, haben wir
im letzten Beitrag aufgezeigt. Dieses
Mal gehen wir auf das methodische
Vorgehen ein, das zunächst steinig zu
sein scheint, doch erleichtert es dem
Ausbilder später die Arbeit immens.
Der Reiter wird auf diesemWeg zu Be-
ginn noch durch situationssichernde
Vorgaben (Instruktionen) von aussen
geleitet, muss sich aber immer inten-
siver von innen sehen lernen, Selbst-
befehle geben und sich schliesslich
durch mentale Prozesse vom Reitaus-
bilder unabhängig machen. Er wird
somit zur reitfachlichen Mündigkeit
geführt, sodass der Ausbilder das ge-
samte Geschehen hauptsächlich über-
wacht und nur noch eingreift, wenn
der Reiter für sich oder das Pferd lö-
sungsmässig nicht weiterkommt. Die
gesamten Aufgaben des Ausbilders
wenden sich weg vom ständigen klein-
schrittigen Anweisen oder Kritisieren
hin zum Beobachten und Unterstüt-
zen der Gesamtszene Unterricht. Reit-
unterricht entwickelt sich über das
Reitenlernen zu einem sozialen Pro-
zess zwischen Ausbilder und Reiter.
Gewohnheiten verändern
Auch den Lernenden wird es nicht
leichtfallen, ihre Gewohnheiten des
Unterrichts aufzugeben. Sie sind nun
nicht mehr Reagierende im Reitunter-
richt, sondern werden aufgefordert,
sich aktiv in die Lernprozesse mit ein-
zubringen. Es dauert eine bestimmte
D
An der Longe lässt sich leichter zur
innerenWahrnehmung kommen, weil
die Aufmerksamkeit durch nichts
abgelenkt wird (linke Seite).
Die Affenstellung mit stark verkürzten
Bügeln führt in relativ kurzer Zeit zu
einer elastischen Grundstruktur des
Sitzes (rechts), denn diese Haltung
stellt die optimalen Bedingungen für
alle Gelenke im Körper dar.
Zeit, bis sie sich daran gewöhnen, in
sich hineinzuhorchen und Rückmel-
dungen über ihre und die Bewegun-
gen des Pferdes zu geben.
Sie können am Anfang kaum etwas
mit den Zeiträumen im Unterricht an-
fangen, in denen der Ausbilder nichts
sagt, weil er auf die Rückmeldungen
der Reiter wartet. Diese Anweisungen
fehlen ihnen. Sie sind verunsichert,
weil sie noch nicht gelernt haben, sich
mit sich selbst und dem Pferd zu be-
schäftigen. Diese inneren Auseinan-
dersetzungen müssen verbalisiert