Sommerposse um den White Turf

Der winterliche White Turf sorgt auch im Sommer für Schlagzeilen.

«Rund um den White Turf rumort es - mitten im Sommer» titelt die «Engadiner Post» (EP) in ihrer aktuellen Ausgabe. Die Zeitung nimmt dabei Bezug auf einen Bericht des deutschen Szenenblatts «Galopp intern», in dem den Organisatoren des White Turf vorgeworfen wird, dass die Dotationen zu tief und die Starterfelder zu klein sind, dass es kaum mehr Side-Events gibt und es an zukunftsfähigen Strukturen fehlt. Daher will eine «IG White Turf» an der Generalversammlung des Rennvereins St. Moritz im September den «Umsturz» der aktuellen Führung des White Turf herbeiführen, wie die EP schreibt.

Der White-Turf-Präsident Thomas Walther weist die Vorwürfe zurück, gemäss dem Artikel steht auch die Gemeinde St. Moritz hinter der aktuellen Führung des White Turf und bedauert, «dass die ‹IG White Turf› mit ihren Forderungen an die Öffentlichkeit geht, ohne je das Gespräch mit dem Gemeindevorstand gesucht zu haben.» Gemäss der EP gehört der Interessengemeinschaft unter anderen auch Silvio Martin Staub an, der als neuer CEO gehandelt wird. Das lässt natürlich aufhorchen. Immerhin war Staub schon Präsident und CEO von White Turf, und sein Mandatsvertrag war 2017 aufgelöst worden, «aufgrund unterschiedlicher Auffassungen über die operative Führung der Pferderennen.»

Zur Erinnerung: Der White Turf hat turbulente Jahre hinter sich, nicht zuletzt wegen schweren Unfällen mit gravierenden Folgen für Pferd und Reiter. Die neue Führung bemüht sich deshalb seit 2017 primär um eine Stabilisierung der Situation auf dem See und legt einen starken Fokus auf die Sicherheit. Es galt und gilt noch immer, die in zusehends wärmeren Wintern fragilere Unterlage aus Eis und Schnee berechenbar zu machen. Denn mit jedem weiteren Unfall, mit jeder weiteren Verletzung von Reiter oder Pferd, bekommt der White Turf ein grösseres Imageproblem. Dessen ist sich die aktuelle Führung bewusst. Dem Vorstand sei es gelungen, das Vertrauen in die Sicherheit des White Turf wieder herzustellen, wird Präsident Walther in der EP entsprechend zitiert. Und er sagt auch: Man habe einen Verein mit 300'000 Franken Schulden übernommen, «die Sanierung der Finanzen war und ist darum eine unserer Kernaufgaben.»

Wie wird es mit dem White Turf weitergehen? Wird der eingeschlagene Weg fortgeschritten, der das Wohlergehen der vier- und zweibeinigen Protagonisten in der Vordergrund stellt und drum herum ein Umfeld schafft, das den hohen St. Moritzer Ansprüchen Rechnung trägt, sofern die Wirtschaftlichkeit gegeben ist? Oder soll es fortan eine riesige Show und ein noch grösseres Spektakel geben, bei dem Vernunft und wirklich Machbares zweitrangig sind?

Auch hier zur Erinnerung: Der 2015 grossmundig lancierte CSI St. Moritz wurde bereits im April 2018 kleinlaut begraben. Der Haufen offener Rechnungen war schlicht zu gross. Und nie stattgefunden hat im März dieses Jahres das Show Jumping Festival St. Moritz, das mit einem 5-Sterne-GP von 700'000 Euro und zwei 4-Sterne-GPs von je 400'000 Euro geplant worden war. Der CEO in diesem extravaganten Projekt: Silvio Martin Staub. 

Es bleibt daher zu hoffen, dass die Generalversammlung des Rennvereins St. Moritz im September gegen die Umsturzpläne stimmt und das aktuelle Rumoren im White Turf nicht mehr als eine Oberengadiner Sommerposse bleibt.

Drucken