Schweizer Sieg in Royal Ascot

Siegerehrung mit Schweizer Beteiligung. Watch Me und rechts neben Jockey Boudot stehen Antoinette Tamagni-Bodmer und Regula Vannod (oben). Die Stute hält die englische und irische 1000-Gunieas-Siegerin Hermosa in Schach (unten).

Am Freitag ist nach den Coronation Stakes (Gruppe 1, 1600 m, 3-jährige Stuten) die Marseillaise angestimmt worden. Doch in Royal Ascot hätte auch der Schweizer Psalm erklingen können. Denn die beeindruckende Siegerin Watch Me (Video vom Rennen), die vom französischen Spitzenjockey Pierre-Charles Boudot völlig überlegen ins Ziel geritten wurde, lief in den Farben der Schweizer Alexander Tamagni und Regula Vannod. Die Kilchbergerin ist bei verschiedenen Pferden von Antoinette Tamagni-Bodmer beteiligt, die sich in Frankreich ein starkes Standbein aufgebaut hat und ihre Pferde in den Farben ihres Sohnes laufen lässt.

Watchful, die Mutter von Watch Me, ist quasi eine Gründerstute in Tamagnis Gestüt Saint Julien. Dort hält sie seit 2017 ihre eigenen 35 Mutterstuten, denn Saint Julien ist die private Seite. Das öffentliche und kommerzielle Pendant befindet sich im Haras du Petit Tellier von Patrick Chedeville. Ihren Gatten bezeichnet Tamagni als ihr grosses Vorbild in der Vollblutzucht, immerhin ist die Familie Chedeville ja auch schon seit dem 19. Jahrhundert mit Petit Tellier verbunden. Dort hatte Tamagni ihre Stuten über 20 Jahre lang stehen, und im Petit Tellier befinden sich auch die Deckhenste, beispielsweise Elvstroem. Vom ihm hat Watchful einen zweijährigen Hengst (Watchman), der bei John Oxx in Irland im Training steht, und einen Jährlingshengst (Watch Him), der im Sommer auf die Auktion kommt. Auch das Fohlen bei Fuss ist ein Hengst von Elvstroem. Doch tragend ist Watchful derzeit vom Derby- und Arc-Sieger Golden Horn. 

Für 22'000 Euro hatte Tamagni 2015 bei Arquana die Galileo-Tochter Watchful gekauft, damals tragend von Olympic Glory. Selbenorts war 2017 das nicht all zu gross wirkende Produkt als Jährling für 30'000 Euro zurückgekauft worden und kam später zu Francis-Henri Graffard ins Training. Rückblickend ein Glücksfall, denn Watch Me zeigte bereits als Zweijährige grosse Klasse und behauptete sich beim zweiten Lebensstart auf Listen-Ebene. In diesem Jahr debütierte Watch Me im Prix Imprudance in Maisons-Laffitte auf Gruppe-III-Niveau siegreich, doch in den Poule d'Essais des Pouliche (Gruppe 1) wurde sie sehr unglücklich geritten und fand alles andere als einen passenden Rennverlauf - Rang 6 hinter der Siegerin Castle Lady. Ihre Umgebung blieb trotzdem von ihrer Klasse überzeugt und wagte den Schritt über den Kanal in die Coronation Stakes, in denen sich am vierten Tag von Royal Ascot seit Jahrzehnten die Besten aus den englischen und irischen 1000 Guineas mit den Besten des französischen Pendants messen. Doch «Watch Me» (schau auf mich) galt diesmal weder für die Favoritin Hermosa, die im Frühjahr irische wie englische 1000 Guineas gewann, noch für Castle Lady. Hermosa musste sich mit Platz 2, Castle Lady mit Rang 5 bescheiden. «Watch Me» galt für die 20:1-Aussenseiterin Watch Me!

Für die Zucht von Antoinette Tamagni ist das der bisher grösste Erfolg. Eine Gruppe-1-Siegerin zu züchten, die erst noch in Royal Ascot gewinnt! Das lässt sich schlicht nicht überbieten. Ein toller Lohn für den Enthusiasmus und das grosse Engagement, das Antoinette Tamagni seit Jahrzehnten in der Schweiz und in Frankreich zeigt und das sich in der Mutterstutenherde des Haras de Saint Julien vortrefflich spiegelt.

Drucken