8 Stunden Weidegang für Rennpferde eine Tierquälerei

Entgegen der einhelligen Meinung geniessen auch aktive Rennpferde Weidegang und zeigen keine Leistungseinbussen. (Foto: german racing)

Das Thema Animal Welfare und Tierwohl steht im Jahresprogramm von Suisse Trot an oberster Stelle. Scheint auch äusserst wichtig zu sein, dass man sich die Verantwortlichen im Trabrennsport diesen Themen intensiv annehmen. Denn bezüglich Wohlbefinden von Pferden scheinen noch grosse Lücken zu herrschen, wie an der am vergangenen Samstag durchgeführten  Generalversammlung zu hören war. Wie auf horseracing.ch vermeldet wird, stuft Jean-Pierre Kratzer, Präsident von Suisse Trot und Schweizer Pferderennsport-Verband, einen Weidegang von acht Stunden als eine Form der Tierquälerei ein. Als Begründung gab Kratzer auf eine entsprechende Rückfrage an: «Spezialisten sagen, dass Pferde eine Charakteristik haben. Diese gilt es zu beachten und zu respektieren. Für ein Pferd, das Rennen bestreitet, ist eine so lange Zeit auf der Weide eine Form der Misshandlung.» Freilich, Trainer und Besitzer sind schon längst um Längen an Kratzer vorbeigtrabt und lassen ihre Schützlinge auf die Weide. Auch  beim Deutschen Direktorium für Vollblutzucht herrscht eine andere Meinung: «Die Mehrzahl der deutschen Trainer achten sehr sorgfältig auf eine möglichst artgerechte Haltung und ein abwechslungsreiches Training. So haben sich die Trainer, die keine neueren Stallanlagen haben auf den zur Verfügung stehenden Anlagen überwiegend selbst Areale geschaffen, um den Pferden auch dort genügend Auslauf und Abwechslung bieten zu können. Denn nur ein motiviertes, gesundes Pferd, kann auch im Sport seine volle Leistung entfalten.»

Auch Auslaufboxen sind für Jean-Pierre Kratzer kein Thema. Betreffend Tierwohl wurde nämlich angefragt, ob die neuen Stallungen für die Ponytrabschule – die bisherigen Stallungen fielen bekanntlich im Sommer letzten Jahres einer Brandstiftung zum Opfer – mit Auslaufboxen gebaut würden? Kratzer verneinte mit dem Hinweis, dies sei für Rennpferde gar nicht nötig und würde vom Tierschutzgesetz nicht verlangt. Es gebe keine Norm dafür und es gehe vielmehr darum, dass die Pferde gepflegt, regelmässig bewegt und gut behandelt würden. Laut horseracing.ch wurde die Meinung eingebracht, dass dies  doch nun die Chance wäre, den Besuchern des Iena zu zeigen, dass es den Pferde gut gehe und dem Rennsport ein positiveres Image zu geben. Nachdenklich stimmt, dass Jean-Pierre Kratzer auch Präsident der Aufsichtskommission der OdA Pferdeberufe ist, die Organisation also, die für die Ausbildung der Pferdebranche verantwortlich ist.

Das Wohlbefinden des Pferdes im Sport war freilich schon 1997 in Avenches Thema eines 2-tägigen Seminars gewesen, um die Wogen nach dem TV-Skandal an den Pferderennen in St. Moritz zu glätten. Kapazitäten aus ganz Europa waren damals eingeladen worden, eine dann in Aussicht gestellte Arbeitsgruppe wurde aber nie gebildet. Und schon damals wurde bemängelt, dass bei der Realisierung der 18-Mio-Anlage nicht auch im Bereich Haltung ein Vorzeigeobjekt realisiert wurde.

Wie gross das Wohlbefinden der Pferde in den verschiedenen Haltungen ist, lässt sich mittlerweile objektiv messen. Ein Forscherteam der Technischen Universität München-Weihenstephan arbeitete das «Weihenstephaner Bewertungssystem für Pferdehaltungen» aus, das erstmals sowohl praxistaugliche als auch wissenschaftlich fundierte Kriterien berücksichtigt. Vorgestellt wird dieser Index unter anderem von Dr. Miriam Baumgartner anlässlich des Stallseminars «Der gute Stall», das der Kavallo zusammen mit der PFERD und dem «Schweizer Bauer» am 12. Mai in Bern durchführt. Die Ausschreibungen können bezogen werden bei info@kavallo.ch.

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