Neuer Fleischskandal: Stuten leiden für unser Schweinefleisch

Wie der Kassensturz gestern berichtete, wird auf Farmen in Südamerika trächtigen Stuten literweise Blut abgenommen. Aus dem Schwangerschaftshormon stellen Pharmafirmen Medikamente her, die auch in der Schweizer Schweinezucht zur Effizienzsteigerung verwendet werden.

Dünne, ausgemergelte und erschöpfte Stuten auf einer der südamerikanischen Blutfarmen. Foto: Tierschutzbund Zürich

Die Basis des gestrigen Kassensturz-Beitrags ist eine 10-monatige Recherche des Tierschutzbundes TSB Zürich in Uruguay und Argentinien. Die Sendung kann unter dem folgenden Link angeschaut werden: http://www.srf.ch/sendungen/kassensturz/neue-pferdequaelerei-gefaehrliche-rasenroboter-laeusemittel-test 

Der Tierschutzbund TSB Zürich fordert den Stopp des Blutimports und erklärt den Sachverhalt in einer Pressemitteilung wie folgt:

Misshandlung südamerikanischer Pferde für europäische Ferkelproduktion

Uruguay und Argentinien produzieren Blutplasma für die europäische Ferkelproduktion. Abnehmer sind u.a. die deutsche IDT Biologika in Dessau und die Schweizer Niederlassung von MSD Animal Health in Luzern. Es ist ein Millionengeschäft, das seit 30 Jahren ausserhalb jeglicher Kontrolle der EU- und Schweizer Behörden läuft.

Das Blut ist für die europäische Veterinär-Pharma-Branche interessant, weil es das Hormon PMSG (Pregnant Mare Serum Gonadotropin) enthält. Mit PMSG erreicht man, dass die Muttersauen gleichzeitig brünstig werden und auch die Geburten synchron ablaufen. Dadurch werden die Arbeitsvorgänge für die Ferkelproduzenten effizienter.

„Zehntausende Stuten werden systematisch für das Blutgeschäft gequält. Damit europäische Ferkelproduzenten ihre Arbeitsabläufe profitabler gestalten können, werden sie trächtig gemacht, Blut entnommen und deren Fohlen abgetrieben“, kritisiert Sabrina Gurtner, Projektleiterin beim Tierschutzbund Zürich. „Wir fordern die EU und das BLV auf, den Import von PMSG aus Südamerika zu verbieten“, richtet sich TSB-Präsident York Ditfurth an die EU-Kommission und das Bundesamt für Lebensmittelsicherheit und Veterinärwesen BLV.

Der Tierschutzbund Zürich hat  in Uruguay und Argentinien die Unternehmen aufgesucht, die das Blutgeschäft beherrschen. Drei der vier Betriebe haben eine Zulassung der EU für den Export von Tierprodukten. Das Blutfarmunternehmen Syntex Uruguay SA ist auf keiner EU-Liste zu finden. Syntex ist dennoch der grösste PMSG-Exporteur. „Zollunterlagen bestätigen, dass Syntex Uruguay pro Monat PMSG im Wert von bis zu zweieinhalb Millionen US-Dollar nach Europa exportiert“, kritisiert der TSB Zürich.

Allein in Uruguay sind es tausende, ein Blutfarmer spricht von zehntausend Stuten, die für die Blutentnahme eingesetzt werden. „Die Stuten sind den Umgang mit Menschen nicht gewöhnt. Mit Peitschen und Elektrotreibern werden sie in die Fixierboxen für die Blutentnahme getrieben. Mit Holzknüppeln wird ihnen solange auf den Kopf geschlagen, bis sie apathisch stehen bleiben und man ihnen eine Aderlasskanüle setzen kann. Innerhalb von zehn Minuten werden rund zehn Liter Blutabgenommen“, beschreibt Sabrina Gurtner den Blutentnahmevorgang. Das entspricht einem Viertel der gesamten Blutmenge der Stute.

PMSG kann maximal bis zum 140. Tag der Trächtigkeit gewonnen werden, dann werden die Fohlenföten abgetrieben, um die Schwangerschaft abzubrechen. Stuten, die anschliessend nicht mehr tragend werden, werden von den Blutfarmern an EU-zertifizierte Schlachthöfe verkauft.

Das Blutgeschäft läuft seit 30 Jahren unkontrolliert ab. Vertreter der uruguayischen Regierung bestätigten gegenüber dem TSB Zürich, dass die EU lediglich Betriebe aus der Fleischproduktion überprüfe. Eine Kontrolle der Blutfarmen fände nicht statt. Man wünsche sich seitens der Weltorganisation für Tiergesundheit (OIE) oder der EU-Kommission (SANCO) klare gesetzliche Vorgaben. Ohne diese sei eine Kontrolle der Blutfarmen nicht möglich.

„Uns gegenüber haben sowohl Vertreter der uruguayischen Regierung wie auch der Präsident der Tierschutzkommission geäussert, dass die Europäischen Länder nur deshalb PMSG in Uruguay produzieren lassen, weil die eigenen Tierschutzbestimmungen eine solche Produktion nicht zulassen würden“, berichtet York Ditfurth.

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