Rollkur vorbei – mitnichten

Wer gehofft hat, dass mit Charlotte Dujardin und Valegro der Dressursport wieder an Leichtigkeit gewinnen wird, hat seine Meinung spätestens seit dem CDIO in Hagen revidieren müssen. Denn im Hinblick auf die EM in Aachen vom 11. bis zum 23. August werden Matthias Alexander Raths und Totilas in einer «prima Verfassung» angepriesen.

Runtergebogener Hals, die Nase fast zwischen den Vorderbeinen, die Kandare durchgebrochen – solche Bilder von Totilas zirkulieren seit dem CDIO Hagen von Mitte Juli in grosser Zahl. Und leider nicht nur von Totilas unter Matthias Alexander Rath auf dem Abreitplatz. Ähnliche Bilder von gleichermassen im Hals eingezwängten Pferden existieren auch vom Viereck. Das von den Holländern angewandte System, die Pferde in eine Form zu zwingen, sie quasi in die Zwangsjacke zu stecken, punktet bei den Richtern offenbar noch immer. Doch wer will diese Unterwerfung von Pferden wirklich sehen? Rollkur, wie diese Art von Reiterei genannt wird, ist bei uns in der Schweiz glücklicherweise seit Anfang 2014 verboten. Verbote nützen aber nur etwas, wenn Verstösse auch geahndet werden. Im Dressursport von Richtern, die sich an die Grundsätze der Reiterei halten und diese konsequent anwenden. Denn unsere Reitlehre verlangt keine Unterwerfung von einem auf Knopfdruck abgerichteten Pferd, sondern ein  Miteinander ohne einseitige Dominanz. Hoffen wir auf die Richter an der EM, dass sie die Verfassung von Totilas als nicht so «prima» ansehen wie die EM-Organisatoren und den Richtlinien der klassischen Reiterei den Vorrang geben.

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