Trügerisches Bild in der Bündner Herrschaft

Noch grasen die Pferde, um die juristisch gestritten wird, friedlich in der Nähe von Fläsch.

Bei schönstem Herbstwetter grasen die Pferde von Ulrich K. in der Bündner Herrschaft und geniessen das Heu, das ihnen zugefüttert wird. Nur kurz heben sie den Kopf und schauen in Richtung des Besuchers, der einige Fotos von der farbenprächtigen Szenerie in der goldigen Abendsonne macht. Den ganzen Sommer haben die Pferde auf einer Bündner Alp verbracht. Weit weg von den Wirren und Skandalen, die den Hof von Ulrich K. in Hefenhofen heimsuchten. 

Den Grossteil seiner Tiere ist Ulrich K. los, auch der Kavallo berichtete hier auf seiner Webseite und in der letzten Ausgabe darüber. Ob nun die von der Alp zurückgekehrten Pferde ebenso verkauft werden, ist offen. Das muss juristisch erst abgeklärt werden. Denn der Artikel 24 Absatz 1 im Tierschutzgesetz lautet: «Wird festgestellt, dass Tiere vernachlässigt oder unter völlig ungeeigneten Bedingungen gehalten werden, so schreitet die zuständige Behörde unverzüglich ein. Sie kann die Tiere vorsorglich beschlagnahmen und auf Kosten der Halterin oder des Halters an einem geeigneten Ort unterbringen: wenn nötig lässt sie die Tiere verkaufen oder töten. Sie kann dafür die Hilfe der Polizeiorgane in Anspruch nehmen.» Die kleine Herde bei Fläsch sieht weder vernachlässigt aus, noch scheinen die Haltungsbedingungen auf der Wiese ungeeignet. 

Fragt sich nur, wie lange die juristischen Abklärungen dauern werden. Bald schon werden die ersten Vorboten des Winters auf den goldigen Herbst folgen. Kommen dann die Pferde zurück in den heimischen Stall in Hefenhofen, weil das womöglich rechtsstaatlich und juristisch richtig ist? Und ist der juristisch wie rechtsstaatlich richtige Weg auch der richtige Weg für die Pferde? Deren Wohl sollte doch immer im Zentrum aller Überlegungen stehen. Momentan scheint es leider aber nur noch darum zu gehen, in einer völlig verfahrenen Situation möglichst viel Recht zu bekommen. Die friedlich in der Bündner Herrschaft grasende Herde ist deshalb ein trügerisches Bild. Denn der Skandal um Ulrich K. wird nun auf ihrem Rücken ausgetragen.

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