Gekauft wurde im Sand mit Herz

Ob Stute mit Fohlen oder brandmagere Pferde – alle aus dem Hefenhofer Qualstall befreiten Pferde haben einen neuen Platz gefunden. (Foto: Peter Jegen)

Weder an Zuschauern noch an Käuferinnen und Käufern hat es im Kompentenzzentrum der Armee im Sand bei Schönbühl beim Verkauf der vom Kanton Thurgau beschlagnahmten Pferde aus dem Oberthurgau gemangelt. Punkt 9 Uhr wurde begonnen, um 17.50 Uhr hatte das letzte der rund 80 Pferde und Ponys eine neue Besitzerin oder Besitzer. 12 der 93 von Hefenhofen in den Sand überführten Tiere waren gestern noch von ihren Besitzern abgeholt worden, nachdem sie glaubhaft beweisen konnten, dass sie rechtmässige Eigentümer sind. Wie schon bei der Übernahme zeigte sich auch beim Verkauf die Kompetenz des Armeepersonals. Ausgerufen wurden die Pferde und Ponys zu einer vorher festgelegten Schatzung, um 500 Franken konnte die Schatzung maximal überboten werden, dann entschied das Los. Mehr als 3000 Franken kostete kein Pferd, mehrheitlich wurden die Pferde unter 2000 Franken zugeschlagen. Gekauft wurde vorab mit Herz: 70, 80 Personen hielten ihre Hände bis zum Schluss in die Höhe und hofften auf das Losglück. Als Auktionator waltete Henri Spychiger, der frühere Präsident des Freibergerverbandes. Über den Verlauf des Verkaufs zeigte er sich mehr als überrascht: «Hat man sonst manchmal Mühe, beste Qualität versteigern zu können, muss hier das Los entscheiden.» Nicht alle Pferde und Ponys mussten allerdings aus dem Sand weg: Das Pony «Köbu» bleibt als Maskottchen im Kompetenzzentrum. Auch beim kleinen Braunen war das Interesse riesig, doch alle traten zugunsten der Soldaten von der Kaufabsicht zurück. Auch wenn der schnelle Verkauf für Kritik und Proteste gesorgt hatte, der Schrecken hat für die Pferde ein Ende gefunden. So schnell wie die Auktion verlief, so rasch wird der Fall Hefenhofen allerdings nicht abgeschlossen sein. Zu viele Fragen sind seit Mitte Juli aufgeworfen worden, als die beiden Frauen beim Thurgauer Amt Anzeige erstattet hatten. Und auch nach der Einreichung bei der Staatsanwaltschaft vergeblich auf Antwort warten mussten. Bewegung kam erst in dieses trübe Kapitel, als die beschämenden Bilder über die Medien an die Öffentlichkeit gebracht wurden.

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