Von: Peter Jegen, Aachen

Das EM-Quintett hat nun Kontur

Wer wie Steve Guerdat (links) und Werner Muff mit zwei Nullrunden den Nationenpreis am CHIO Aachen abschliesst, sitzt für die EM-Nomination in der ersten Reihe. (Foto: Valeria Streun)

Der am Donnerstag unter Flutlicht ausgetragene Nationenpreis am CHIO Aachen hat in der Schweizer Equipe zu klaren Konturen geführt. Wenn es in der nächsten Woche darum geht, das Team für die in einem Monat in Göteborg anstehenden EM zu benennen, hat der Equipenchef Andy Kistler nun eigentlich leichtes Spiel. Immer vorausgesetzt, Pferd und Reiter bleiben gesund, müssten für den Titelkampf folgende Paare in Frage kommen:

An erster Stelle steht deutlich Steve Guerdat. Der Doppel-Nuller mit der zehnjährigen Belgierin Hannah war sehr beeindruckend. Und die Leistung bestätigte bisher gezeigtes Rendement. Das macht schon fast vergessen, dass Guerdat erst Anfang Februar erstmals mit der Stute antrat. Die Angewöhnungsphase war nur kurz, bereits im März wurde ein Grand Prix in Italien gewonnen, es folgten GP-Siege in Lummen und Falsterbo. Neben Hannah hat Guerdat in Bianca eine weitere Top-Stute im Beritt. Mit der 11-jährigen Schwedin gelangen heuer Doppel-Nuller in den Nationenpreisen von Rotterdam, St. Gallen und Rom. Und auch in der Soers wusste Bianca bisher zu gefallen.

Die Nummer zwei im Team ist Martin Fuchs. Obschon der Sohn von Equipen-Coach Thomas Fuchs erst 25 Jahre ist, ist er bereits eine starke Stütze im Team. Mit dem Schimmel Clooney hat er verschiedentlich schon gute Resultate gezeigt. Der 11-jährige Westfalen-Wallach ist freilich kein einfaches Pferd, zuletzt wurde dies am Wassergraben im GP des CSIO Schweiz in St. Gallen offensichtlich. Auch im Aachener Nationenpreis blieben Clooney und Fuchs nicht ohne Makel. Im Gegensatz zu Guerdat hat Fuchs indes keine Alternative. Der 10-jährigengst Chaplin, mit dem er noch im April einen GP in Mexiko gewann, ist ebenso verletzt wie andere Pferde von Schweizer Spitzenreitern: Quorida de Treho von Romain Duguet, Bonne Chance von Janika Sprunger, Eagle Eye von Christina Liebherr, Fine Fleur von Walter Gabathuler, Wiveau von Alain Jufer. Trotzdem: Fuchs und Clooney gehören ins EM-Team, müssen aber auch mit dem fünften Platz vorlieb nehmen können, wenn der Druck von «unten» weiter steigt.

Ganz klar von der zweiten in die erste Reihe ist in Aachen Werner Muff geritten. Der Doppel-Nuller, der Muff mit dem neunjährigen und in den Niederlande gezogenen Daimler zeigte, war atemraubend. Auch weil der Wallach beim Flug über den Wassergraben jeweils nachtrat. Es ist ein Aufstieg mit Ansage. Seit dem GP-Sieg im März in Arezzo rückten Muff und Daimler immer besser ins Bild. Der dritte Platz im GP der Schweiz in St. Gallen und eine Nullrunde im Nationenpreis von Rotterdam waren Ausdruck davon. 

Im Gegensatz zu den Vorerwähnten hat sich Nadja Peter Steiner mit einer missratenen zweiten Runde im Nationenpreis von Aachen wohl aus dem EM-Rennen gebracht. Und in dieses durfte Edwin Smits nicht eingreifen. Er war die Nummer fünf in der Soers. So bleiben zur Komplettierung des EM-Kaders zwei andere bewährte Namen: Paul Estermann und Romain Duguet. Estermann ist erfahren und routiniert, er kommt mit Lord Pepsi in Frage. Denn die bereits 15-jährige Castlefield Eclipse, um die seit geraumer Zeit ein Verfahren wegen angeblicher Tierquälerei hängig ist, hat in diesem Jahr noch zu keiner kompetitiven Form gefunden. Und wie erwähnt ist Quorida de Treho von Romain Duguet verletzt, so dass er nur mit Twentytwo des Biches in Frage kommt.

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