Von: Peter Jegen, Aachen

Schweizer Springreiter im zweiten Rang

Equipenchef Andy Kistler hat die Schweizer Fahne gut getragen – Platz zwei im Nationenpreis. (Foto: Valeria Streun)

Die Schweizer Springreiter sind am CHIO Aachen optimal in den Nationenpreis gestartet. Als erstes von acht Teams angetreten, eröffnete Werner Muff sogleich den Reigen der Null-Fehler-Ritte. Auf dem neunjährigen Canturano-Sohn Daimler bewältigte Muff das Pensum über 560 Meter und 12 Hindernisse (15 Efforts) fehlerlos. Als zweiter Reiter musste Martin Fuchs mit dem elfjährigen Schimmel Clooney vier Strafpunkte hinnehmen, weil am zehnten Hindernis, einem Plankensprung, die oberste Stange fiel. Dann kehrte über der Soers für einen kurzen Moment die Sonne zurück und legte just den Ritt von Nadja Peter Steiner in ein goldenes Licht. Die Amazone glänzte auf der Fuchsstute Saura de Fondcombe von A bis Z und der zweite Schweizer Blankoritt war damit perfekt. Bekanntlich aber sind aller guter Dinge drei, und so fügte Steve Guerdat im Sattel der Stute Hannah einen weiteren Nullfehlerritt dem Schweizer Ergebnis bei. Nach dem ersten Umgang lag die Equipe von Andy Kistler damit fehlerlos an der Spitze, zusammen mit den Deutschen und den Belgiern.

Und so wie es in der ersten Runde anfing, ging es im zweiten Umgang weiter. Abermals blieben Muff und Daimler makellos, womit der erste Doppel-Nuller in der anspruchsvollen Prüfung feststand. Die Deutschen blieben den Schweizern indes dicht auf den Fersen, auch Markus Ehning ritt mit Pret A Tout zum zweiten Mal Null. Dann wollte Martin Fuchs ebenso diesen Weg einschlagen. Doch in der Wendung nach links in Richtung Wassergraben drückte der Schimmel Clooney leicht weg und stand bei der Landung ins Wasser, an einem folgenden Oxer kam ein Abwurf hinzu: acht Strafpunkte. Maurice Tebbel dagegen lieferte mit Chaccos' Son für Deutschland postwendend den zweiten Doppel-Nuller - ebenso blieb die Belgierin Catherine Van Roosbroeck mit Gautcho Da Quinta ohne Fehler. Somit lag nach zwei Reitern in der zweiten Runde das Trio Schweiz, Deutschland und Belgien weiterhin gleichauf an der Spitze, rechnete man in dieser Zwischenwertung das Streichresultat bereits mit ein.

Als drittes Schweizer Paar führten Nadja Peter Steiner und Saura de Fondcombe eine Vorentscheidung herbei - leider nicht in der erhofften Weise. An einem Oxer und dem über Wasser gebauten Steilsprung fielen die Stangen, was wie bei Fuchs acht Strafpunkte ergab. Für Deutschland dagegen kamen nach dem Ritt von Marco Kutscher auf Clenur bloss vier Strafpunkte hinzu, der dritte Reiter der Belgier gab Forfait. Dadurch lag nun Deutschland vor Belgien, die Schweiz rangierte zusammen mit den USA im dritten Rang. Wiedereinmal musste es Steve Guerdat richten, und wiedereinmal tat dies der Champion mit Bravour. Denn auch Mclain Ward als Schlussreiter der USA war fehlerlos geblieben und hatte seiner Equipe damit eine gute Ausgangslage gesichert. Der Druck um den geteilten Spitzenplatz schien Guerdat indes nicht zu beeindrucken, mit Hannah absolvierte er die zweite Runde wie schon die erste mit Null. Das ergab letztlich den geteilten zweiten Rang hinter Deutschland. Die Belgier rutschen mit dem vierten Reiter noch auf Platz vier zurück. Im stark besetzten Nationenpreis am CHIO Aachen lieferten die Schweizer ein Glanzresultat. Letztmals hatten sie 2002 in der Soers gewonnen, 2007 hatten sie letztmals Rang zwei belegt.

Ein Eigengoal der FEI

Bereits zwei Stunden vor dem Beginn des Nationenpreises stand ein anderes Resultat mit aller Deutlichkeit fest: Aachen 1, FEI 0. Das riesige Stadion in der Soers war zum Bersten voll, über 40'000 Zuschauer erwarteten gespannt und voller Vorfreude den Team-Wettbewerb, der Jahr für Jahr ein Höhepunkt am Weltfest des Pferdes ist. Dass ausgerechnet dieser so publikumsträchtige und medienwirksame Nationenpreis nicht zur Serie der Nationenpreise zählt, ist wohl das krasseste Eigentor, das die Fédération Equestre Internationale (FEI) je schoss. Immerhin ist die Serie das Premiumprodukt des Springsports. Im Tennis käme niemanden in den Sinn, Wimbledon nicht zum Grand Slam zu zählen, ebenso würde im Golf keiner das Open aus den Majors nehmen. Die unverständliche Situation im Pferdesport ist bekanntlich mit der Sponsoren-Situation verknüpft. Rolex ist der langjährige Partner des CHIO Aachen, die FEI aber ist mit Longines liiert.  

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