Wohl der Pferde als Schliessungsgrund für Landgestüt Dillenburg

Im Sinne eines «effektiven Tierschutzes» soll das hessische Landgestüt Dillenburg gschlossen werdn. (foto: zvg)

In dieser Woche wurde bekannt, dass die hessische Landesregierung das Landgestüt Dillenburg nicht weiter unterstützen wird. Die 400 Jahre alte Traditionsanlage steht damit vor dem Aus. In ihrer Begründung stellt Umweltministerin Priska Hinz unter anderem das Wohl der Pferde in Frage. Die Schliessung des Gestüts hätte nicht nur negative Folgen für die Pferdezucht in Hessen. «Pferde sind grosse Tiere, sie brauchen Platz und haben das Recht auf mehrstündigen freien Auslauf auf der Weide», sagte die hessische Umweltministerin Priska Hinz (Grüne) und berief sich dabei auf die «Leitlinien zur Beurteilung von Pferdehaltungen unter Tierschutzgesichtspunkten» des Bundesministeriums für Ernährung und Landwirtschaft. Das Hessische Umweltministerium hatte mitgeteilt, die «Fortführung der Hengsthaltung» erscheine im Sinne eines «effektiven Tierschutzes» nicht mehr tragbar. Derzeit sind 40 Pferde im Bestand, darunter acht Zuchthengste. Von der beabsichtigten Schliessung sind auch knapp 30 Mitarbeiter betroffen, darunter fünf Auszubildende. Niemand solle entlassen werden, versicherte Andreas Sandhäger. Der Direktor des Landesbetriebs Landwirtschaft Hessen geht von einer längeren Übergangszeit vor der Schliessung des Landgestüts Dillenburg aus.
Laut dem Förderverein Hessisches Landgestüt Dillenburg werden die Vorgaben der Leitlinien auf der Anlage jedoch erfüllt. «Rund um das Landgestüt stehen leider keine Flächen für Koppeln zur Verfügung. Jedoch werden die Pferde täglich geritten oder gefahren, gehen in die Führanlage und dürfen zusätzlich in der Reithalle frei laufen. Auf kleinen Paddocks haben sie auch die Möglichkeit sich zu wälzen, haben Sozialkontakt und sind den Klimareizen wie Sonne, Wind oder Regen ausgesetzt. Gerne nimmt das Landgestüt auch das Angebot der Stadt Dillenburg an, den angrenzenden Hofgarten in weitere Auslauffläche umzugestalten. Sollte es tatsächlich etwas an der Anlage zu bemängeln geben, das verändert werden kann, muss auch die Chance eingeräumt werden, diese Veränderungen vorzunehmen.»
Das 1869 gegründete Landgestüt Dillenburg, dessen Geschichte sich bis ins 16. Jahrhundert nachverfolgen lässt, umfasst heute nicht nur die zum Teil denkmalgeschützten Stallgebäude, Reithallen, den Paradeplatz und das Kutschenmuseum in der historischen Orangerie, sondern seit 1929 auch noch die FN-zertifizierte Hessische Reit- und Fahrschule. Dort werden traditionell Reiter, Fahrer und Pferde, Trainer und Pferdewirte ausgebildet. Darüber hinaus bietet das Landgestüt auch Personen aus dem städtischen Umfeld die Möglichkeit,das Pferd hautnah erleben zu können. Die Hengstparaden des Landgestüts Dillenburg locken immer wieder Tausende Besucher an. Und auch die Anlage selbst ist Ausflugsziel vieler Touristen. Inzwischen wurde eine Online-Petition gestartet, die den Erhalt des Landgestüts Dillenburg fordert.

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