Modernste Technik soll White Turf sicherer machen

Ein Glas mit heissem Wasser (links) und mit kaltem Wasser (rechts) fotografiert mit einer Wärmebildkamera.

Die Aufarbeitung des fatalen Unfalls am White Turf hat zu einem ersten Bericht geführt (siehe pdf unten). Verfasst ist dieser einerseits von Markus Berweger, dem St. Moritzer Niederlassungsleiter des Churer Ingenieurbüros Edy Toscano AG, das seit der Übernahme durch die schwedische AF-Gruppe als AF Toscano firmiert. Andererseits arbeitete Felix Keller am Bericht mit, der an der Academia Engiadina den Geschäftsbereich Umwelt führt, der sich als auftrags- und beratungsorientierte Engadiner Forschungsstelle für Glaziologie und die Folgen der Klimaveränderung im Hochgebirge versteht.

Der Bericht bestätigt die ersten Erkenntnisse, dass durch Risse im Eis Wasser an die Oberfläche dringen konnte, was die Schneepiste unterspülte. Ursächlich für die Risse sei eine grosse Spannung im Eis, die durch hohe Temperaturunterschiede entstand. Zudem hätten Temperaturen über dem Gefrierpunkt dazu geführt, dass die Risse nicht schnell genug zugefrieren konnten.

Die beiden Experten schlagen nun vor, die Schneepiste künftig mit modernster Technik zu prüfen. Vor jedem Renntag soll eine Drohne mit einer Wärmebildkamera die Piste abfliegen. Denn auftretendes Wasser sei wärmer als die Schneeschicht auf dem Eis. So könnten kritische Stellen identifiziert und kontrolliert werden. Eine noch schnellere Möglichkeit, Wasser auf dem Eis zu identifizieren, würde zudem ein Radarmessgerät bieten. Dieses Gerät, das mit einem Schneemobil über die Piste gezogen werden müsste, würde die Schneedicke anzeigen und kein Signal mehr geben, wenn Wasser zwischen dem Eis und der Schneedecke liegt.

Der Bericht schliesst mit der Feststellung: «Mit diesen beiden Kontrollmessungen hat man in Zukunft voraussichtlich mehr und bessere Möglichkeiten, vor den Rennen kritische Stellen festzustellen und gegebenen falls abzusperren. Wir gehen allerdings auch davon aus, dass kurzfristig auftretende Spannungsrisse und herauftretendes Wasser und somit Unfälle, nicht mit 100%-iger Sicherheit ausgeschlossen werden können. Ein gewisses Naturrisiko, ähnlich wie auf einer normalen Rennbahn, wird immer bestehen.»

Es bleibt also die Frage, ob das Restrisiko mit einer «normalen Rennbahn» tatsächlich zu vergleichen ist. Eine Grasbahn kann weich, fest, hart, uneben, unregelmässig sein. Unter der Last der Pferde bricht sie aber niemals ein.

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