Von: Tamara Wülser

Kavallino: 10/19

Dressur war schon immer das Ziel

Meilin mit ihren beiden Pferden – dem Lehrmeister Don Pablo (links) und dem aktuellen Meisterpferd CH-Hengst Dream of Night Fluswiss.

Verdientes Lob für Dream of Night Fluswiss: In Basel gewinnt das Paar die Schweizermeisterschaft bei den Jungen Reitern. Foto: Valeria Streun

Erstmals Gold um den Hals: An der EM Children stand Meilin mit dem Team zuoberst auf dem Podest. Foto: FEI

Meilin Ngovan ist die amtierende Dressur-Schweizermeisterin der Jungen Reiter. Im Moment sammelt das junge Talent Erfahrungen in der S-Klasse. Ihren Erfolg habe sie vor allem ihren tollen Pferden und ihrer Familie zu verdanken, daneben sei aber auch Fleiss und Durchhaltewillen erforderlich. 

Für Meilin Ngovan war Reiten schon immer eine Herzensangelegenheit: «Mein Vater ist Dressurreiter und meine Mutter auch.» Angefangen hat alles mit zwei Shetlandponys. Mit ihnen streifte Meilin durch die Gegend. Später erhielt sie ein eigenes Pony, mit dem sie die ersten GA-Prüfungen absolvierte. Mit ihrem ersten Pferd, Don Paulo, ging es dann in L-Prüfungen und Children- Programme. «Das erste grosse Highlight war die Goldmedaille im Team an der EM 2015», schwärmt Meilin. Zu verdanken habe sie diesen Erfolg nicht nur ihren Eltern, die immer hinter ihr stehen würden, sondern auch Don Paulo: «Von ihm habe ich so viel gelernt, er gab mir viel.»

Mit Dream of Night Fluswiss in die S-Klasse
Neben Don Paulo reitet Meilin Ngovan heute auch den CH-Hengst Dream of Night Fluswiss. Dieser ist im Besitz von Urs und Ruth Flury. «Mein Vater begann ihn mit vier Jahren zu reiten», erklärt die junge Dressurreiterin. Mit diesem Hengst ging es nochmals Klasse um Klasse höher: Junioren, internationale Prüfungen und nun auch in S-Programme. Zusammen ging es Schritt für Schritt weiter. Dream of Night ist noch Hengst, sehr lieb und immer ruhig: «Auch wenn es stürmt, ist er gelassen und schaut nichts an.» Manchmal brauche er etwas Motivation von seiner Reiterin, habe eindeutig viel mehr Stärken als Schwächen. Den Besitzern ist sie dankbar, dass sie so ein tolles Pferd reiten darf.
Der Aufstieg auf Stufe S hat Meilin gefordert, denn hier wird nochmals mehr Versammlung verlangt, die Lektionen sind schwieriger und folgen viel schneller aufeinander. Anfangs sei es ihr manchmal etwas zu schnell gegangen. Doch das entwickle sich nun langsam mit zunehmender Routine. Meilin schaut sich ihre Ritte danach auf Video an und analysiert gemeinsam mit ihrem Vater, was gut und was weniger gut war. Für jedes Problem wird eine Lösung gesucht: «Mein Vater ist sehr geduldig.»

Schweizermeisterin 2019
2017 und 2018 stand Meilin an den Schweizermeisterschaften der Junioren auch auf dem Podest. Eine Bronze- und eine Silbermedaille durfte sie mit nach Hause nehmen. Dieses Jahr konnte sie sich bei den Jungen Reitern nochmals steigern und holte sich die Goldmedaille – das absolute Highlight! Dass es in Richtung Dressur geht, war für Meilin Ngovan schon immer klar. Im Moment absolviert sie das Sport KV, halbtags geht sie zur Schule und die restliche Zeit wird trainiert. Das Ziel sei vielleicht auch einmal Berufsreiterin zu werden wie ihr Vater. «Mein Traum wäre eine eigene Reitanlage mit meinen eigenen Pferden zu haben.» Mit dem KV habe sie aber noch einen anderen, nicht pferdigen Abschluss in der Tasche und so ein zweites Standbein. In ihrer Freizeit unternimmt Meilin gerne etwas mit Freunden: «Das ist mir sehr wichtig, es ist zudem gut, einmal etwas ohne Pferde zu machen.» Auch zum Pilates geht sie: «Das hat viel mit Grundspannung zu tun, die auch beim Reiten wichtig ist. Und ich kann Muskeln trainieren, die sonst etwas zu kurz kommen.»

Man muss dranbleiben
Meilin Ngovan gehört dem Dressurkader an. «Die Stimmung im Kader ist gut, wir sehen uns aber nicht so oft.» Eine gewisse Konkurrenz herrsche, was aber auch gut sei. An Turnieren werde jeweils versucht, zusammen essenzugehen. Das fördert den Zusammenhalt. Dass untereinander eine gewisse Konkurrenz bestünde, sei schon gut, aber auch dass man sich gegenseitig etwas gönne und fair zueinander sei. Denn Reiten sei ein Sport mit Tieren. Und schliesslich teilten alle die gleiche Leidenschaft.
Das Erfolgsrezept ist Geduld und Fleiss: «Man muss dranbleiben. Wenn es mal nicht geht, einfach wieder probieren. Irgendwann geht es dann schon.» Meilin analysiert jeweils nach einem Turnier, was gut und was nicht so gut geklappt hat. Treten die gleichen Probleme später wieder auf, weiss sie dann, was zu tun ist. «Manchmal bin ich traurig oder verärgert über mich selber, wenn es nicht gut lief, und frage mich, wieso ich es denn nicht besser gemacht habe.» Manchmal fehle einfach noch etwas die Routine. Doch jede schlechte Runde bietet Lerngelegenheiten für ein anderes Mal. Jeder Start bringt wieder neue Erfahrungen und Erkenntnisse. Und dass Meilin auf dem richtigen Weg ist, unterstreichen ihre Erfolge.

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