Editorial: 10/19

Hinschauen und nicht wegschauen

Ein beispielhafter Umgang mit ihren Pferden ist bei vielen Reiterinnen und Reitern auf Vorbereitungsplätzen zu beobachten. Der Turnierbericht des Schweizer Tierschutzes STS  hält das genauso fest wie Rebecca Kranz in ihrer Masterarbeit «Ethik im Schweizer Pferdesport». Die angehende Tierärztin ging der Frage nach, ob dem Tierschutz auf Schweizer Pferdesportveranstaltungen ausreichend nachgegangen wird oder nicht. Die Frage ist berechtigt, wie der Auszug der Masterarbeit in dieser Ausgabe aufzeigt und zum Schluss kommt, dass durchaus Verbesserungspotential vorhanden ist.

Zivilcourage haben Offizielle erfreulicherweise nicht selten gezeigt: Bei nicht weniger als 178 Fällen von 203 beobachteten tierschutzrelevanten Vorkommnissen gingen sie direkt auf die Reiterinnen und Reiter zu und verwarnten sie. Dass später aber kein einziger Fall von der Sanktionskommission veröffentlicht wurde, stimmt nachdenklich. Um leichte Vergehen hat es sich schliesslich nicht gehandelt. Selbst Barren wurde 25 Mal festgestellt, Blut am Pferd gar in 37 Fällen. Und bei aggressivem Verhalten  musste 149 Mal interveniert werden.

Dass das Tierwohl in unserer Gesellschaft heute eine wichtige Stellung einnimmt, bringt auch Corinne Boss, die neue Agroscope-Chefin von Nationalgestüt und Pferdezucht, in der vorliegenden Ausgabe zum Ausdruck. Einfach weniger darüber schreiben, wie aus Kreisen der Reiterinnen und Reiter oftmals zu hören ist, wäre das Pferd am Schwanz aufzuzäumen. Denn selbst dem Tierwohl dienende Massnahmen werden in den Social Media angeprangert wie kürzlich an den Aarauer Pferderennen: Mit einem Bild, wo Reiter und Begleiterin dem Pferd nach dem Jagdrennen zur Abkühlung auf der Bahn Wasser aus der PET-Flasche über den Hals leeren, wird auf Stimmenfang gegen den «tierquälerischen Rennsport» gegangen … 

Thomas Frei
Chefredaktor

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