Editorial: 9/19

Mehr Imagepflege für das Pferd

Hufeisen verheissen Glück, in unseren Tagen genauso, wie das vor Generationen schon der Fall gewesen ist, als Pferde noch das Strassenbild belebten und ausnahmslos auf Eisen gingen. Dass Hufschmiede zudem den Status eines Glücksbringers haben, bestätigt jeder Pferdebesitzer, der sein Pferd jahraus, jahrein benützen kann. Überhaupt lohnt es sich, alle sechs bis sieben Wochen am Abend etwas steif im Rücken zu sein, wenn man als Aufhalter dem Hufschmied bei der Arbeit zu helfen hatte. Denn eine Stunde Plauderzeit pro Pferd ist durchaus Normalfall. Und so vertraut mit der Pferdebranche wie Hufschmiede sind nicht viele. Sie nehmen die Veränderungen täglich mit eigenen Augen wahr und kommen zu Informationen aus erster Hand.

Wenn unser Hufschmied nun mitteilt, dass von den einst gut fünfzig Zuchtstuten in seiner Kundschaft nicht eine einzige übrig geblieben sei, beginnt der Rücken noch mehr zu schmerzen. Und geht man dann den schlechten Informationen nach, loggt sich bei Identitas ein und ruft die aktuellen Equidenzahlen auf, wird’s noch ungemütlicher. Selbst wenn die Equidenzahlen nicht hundertprozentig stimmen, bei den Fohlengeburten sind sie realistisch, denn die Anmeldung von Geburten wird verlangt, das Ableben oder Ausführen von Pferden dagegen längst nicht immer gemeldet. 2993 Geburten wurden vom 1.8.2018 bis 31.7.2019 aufgenommen, ein Jahr früher waren es im gleichen Zeitraum  4074 gewesen. Kompensiert werden die rückläufigen Geburtenzahlen auch durch die Importe nicht, der Verband der Pferdeimporteure spricht gar von einem «ruhigen» Handel. 511 Kontingente aus der ersten Tranche von 3000 Stück standen Anfang August noch zur Verfügung, 285 mehr als im Vorjahr. Imagepflege für das Pferd in der Öffentlichkeit wird seit Jahren vernachlässigt, muss nun aber vordringliche Aufgabe der Verbände werden. 

Thomas Frei
Chefredaktor

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