Von: Christoph Wegmann | Dr. med. vet. FVH Equidoc GmbH

Tierarzt: 7/19

Aus der Geschichte der Pferdemedizin

Ein Tierarzt fühlt den Puls an der Kinnbackenarterie.

Operationen an Pferden in Vollnarkose gehörten in der Kuranstalt der 1930er-Jahre zu den Routinearbeiten des Tierarztes.

Eine weltweit einmalige Typologie der Hufeisen bis ins Altertum wurde vom Schweizer Tierarzt Urs Imhof erstellt.

Blutuntersuchungen wurden bei Pferden schon früh vorgenommen, es gab dafür sogar einen Hippo-Hämo­meter.

Eine interessante und gelungene Veranstaltung über die Geschichte der Pferdemedizin hat deutlich aufgezeigt, dass die heutige Pferdemedizin von einem Blick in die Vergangenheit durchaus profitieren kann. Nebst dem Pferd stand auch die militärische Ver­gangenheit im Fokus der Beiträge.

An der wissenschaftlichen Veranstaltung der Schweizerischen Vereinigung für Geschichte der Veterinärmedizin (SVGVM) stand für einmal das Pferd im Vordergrund. Grund genug, dass sich nebst gut 60 Pferdetierärzten auch ein Dutzend weitere an der Geschichte der Pferdemedizin interessierte Fachleute an historischer Stätte in der Kaserne Sand in Schönbühl einfanden. Als geschichtsträchtig erwies sich auch der Versammlungssaal. Die Mehrzahl der Zuhörer hatte vor sehr langer Zeit im zur Verfügung gestellten Theoriesaal – ausstaffiert mit diversen Spezialhufeisenformen sowie anatomischen Pferdepräparaten und Bildtafeln – ihr Wissen in Pferdemedizin und Hufbeschlag während Wochen oder sogar Monaten erarbeitet und vertieft. Dies anlässlich der Diensttage im Verlauf ihrer militärischen Karriere als Pferdarzt, denn «der Sand» bildete neben der EMPFA (Eidgenössische Militärpferdeanstalt heute NPZ) schon vor Jahrzehnten das eigentliche Herz der Militärpferde, der Bereiter und Pferdepfleger, der Hufschmiede und letztlich auch der Pferdärzte.
Bei den Tagungsbeiträgen stand dann nebst der Medizin und dem Pferd auch der militärische Hintergrund im Fokus. So fesselte der Präsident der SVGVM und Tagungsleiter Stephan Häsler mit dem Lebenswerk des 2017 verstorbenen Tierarztkollegen Urs Imhof die Zuhörer. Imhof gelang es in seinen Publikationen einen weltweit einmaligen Schlüssel zur Typenchronologie der Hufeisen zu entwickeln. Anhand von sechs Kriterien konnte er Hufeisen aus dem Altertum ein ungefähres Datum zuweisen und so durch diese Fundstücke anderen archäologischen Wissenschaftern weiterhelfen.
Urs Schatzmann faszinierte mit dem reich bebilderten Vortrag über die Pferdekuranstalt 1930. Das Aufzeigen des vorhandenen Materials in Verbindung mit den wichtigsten Behandlungsmethoden flösste nicht nur den dannzumal betroffenen Vierbeinern Angst und Schrecken ein. Auch die gebannten Zuschauer erstarrten beim Anblick der Dias und lediglich das Wissen, dass jede Zeit nur mit den vorhandenen Utensilien arbeiten kann, hielt sie von einer Anzeige wegen Tierschutzvergehen ab…
Der jetzige Kuranstaltsleiter des NPZ, Beat Wampfler, hielt das Publikum mit seiner bekannt direkten Art bei Laune. Sein Referat «Was bleibt aus der Veterinärmedizin von 1920?» stellte die Gegenwart der Vergangenheit gegenüber und bewies, dass nicht nur positive Aspekte zugunsten der heutigen Zeit zu benennen sind.
Streng wissenschaftlich waren dann die Ausführungen von Hanspeter Meier über «die Gestaltveränderungen des Pferdefusses infolge Stellung und Gangart». Anhand von -Erkenntnissen des ehemaligen Oberpferdarztes Hermann Schwyter vor gut 100 Jahren verglichen mit dem heutigen Hufbeschlag zog er das Fazit, dass die momentane Geringschätzung der Hufgesundheit häufig zu Problemen in der Zucht führt.

 

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