Editorial: 7/19

Pferde sind immer am Kopf aufzuzäumen

Alarm geschlagen wird in den Nachbarländern Österreich und Deutschland, auf die Durchführung von Workshops mit Blick in die Zukunft beschränkt man sich bei den Pferdeberufen noch bei uns. Wird in Österreich über ein leises Sterben der Reitschulen geklagt, sorgt in Deutschland der Rückgang bei den Pferdeberufen für Sorgenfalten. Doch auch Daniel Steinmann, der neue Präsident des Zuchtverbandes CH-Sportpferde, klagt in dieser Ausgabe, dass praktisch eine ganze Generation fehle. Nicht bei den Pferden, sondern in der Züchterschaft. Bei den Pferden liesse sich das in fünf Jahren korrigieren, bei uns Menschen wären 25 Jahre für eine Generation einzusetzen.

Wo die Zukunft der Pferdeberufe liegen könnte, haben wir in dieser Ausgabe zum Hauptthema gemacht. Welche Vielfalt die Arbeit mit, neben und auf den Pferden bietet, demonstrierten am Tag der Lernenden an der PFERD in Bern Berufsschüler im zweiten Lehrjahr. Stoff genug, um ein Tagesprogramm zu bestreiten. Der Umgang mit Pferden hat Hippologen schon vor hundert und mehr Jahren zum Schreiben von Büchern angeregt, animiert heute trotz Social Media nicht weniger und wird auch in kommenden Jahren kaum nachlassen. Dabei zeigt sich vor allem eines: Auf so viele verschiedene Arten wie heute liess sich das berühmte Glück der Erde auf oder neben dem Pferd noch nie finden. Betroffen von überquellenden Umgangsformen sind besonders auch die Pferdeberufe. Das momentane Angebot mit sieben Grundbildungen wird sich auf die Dauer nicht halten können, nicht zuletzt, weil die Nachfrage für einzelne Fachrichtungen zu gering ist. Wäre hingegen eine einheitliche Grundausbildung Pferd nicht zeitgemässer? Von welcher Seite wir den Pferden auch begegnen, am nötigen Grundwissen für einen sorgsamen Umgang mit ihnen ändert sich nichts – Pferde sind immer am Kopf aufzuzäumen. 

Thomas Frei
Chefredaktor

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