Von: von Klaus Stich | Fotos: Meike Bölts

Praxis: 6/19

Insekten | 100 Prozent Schutz – geht das?

Die Pferde zeigen es uns – von Insekten werden auch sie nicht gerne geplagt und suchen den Schutz bei ihren Artgenossen.

Im sommerlichen Kampf gegen die Insekten lohnen sich auch Fallen wie die TaonX-Kugel auf der Weide oder Bänder für drinnen.

Eine gut gesprühte Duftwolke hält lästige Insekten vom Pferd und Mensch fern.

Insekten sind für Pferde und uns eine lästige Plage. Oftmals sogar mehr, wenn empfindliche Pferde durch herumschwirrende Insekten in Panik geraten. Vieles wird zur Abwehr angeboten, dennoch stellt sich die Frage: Gibt es einen 100-Prozent-Schutz?

Die Sommerzeit hat für Pferdesportler den Vorteil, dass es morgens länger kühl bleibt und abends später einnachtet – den Insekten lässt sich so besser ausweichen. Denn trotz Sprays, Pasten, Ohrengarnen und Kopfschutz – ganz ohne Bremsen, Mücken und andere Plagegeister ist der Sommer nicht zu überstehen. Am grössten ist ihr Schwirren in den Monaten Juni bis August, auch weil schwitzende Pferde stärker riechen und sie dadurch zum beliebten und leicht zu findenden Opfer werden.

Zweifacher Schutz
Ein wirksamer Insektenschutz steigert nicht nur das Wohlbefinden der Pferde und Ponys, denn die lästigen Viecher können auch Überträger von Krankheiten sein. Schon allein das fast unüberschaubar gewordene Angebot an Mitteln zeigt, wie gross das Bedürfnis nach einem hohen Schutz ist. Einen Anhaltspunkt über die Wirksamkeit liefert auch der genaue Beschrieb eines Repellents.

Ab und zu wechseln
Die Hersteller von Insektenschutzmitteln sehen sich vor allem mit einer grossen Herausforderung konfrontiert: Das Mittel soll für Pferd und Mensch verträglich sein, gleichzeitig aber auch einen möglichst 100-prozentigen Schutz über längere Zeit bieten. Die Umstände rund um das Thema Insektenabwehr haben sich zudem in den letzten Jahren stark verändert. Der Einsatz von immer stärkeren Hilfsstoffen in der Landwirtschaft sowie die generelle Umweltbelastung bleiben nicht ohne Folgen für die Insekten. Sie gelten als wahre Anpassungs- und Überlebenskünstler und werden dadurch auch immer resistenter.
Interessant zu lesen ist, was Friederike Pfeil von equiXTREME, Hersteller von Pflegeprodukten, rät: «Zum Insektenschutz gehören auf der Wiese zwingend Fliegenmaske und Spray und gegebenenfalls eine gut sitzende Fliegendecke, um über mehrere Stunden einen umfassenden Schutz zu garantieren.» Im Weiteren empfiehlt sie, die Wirkstoffe beziehungsweise die Produkte auch während der Saison öfters einmal zu wechseln, damit sich die Insekten nicht an den Duft eines Wirkstoffes gewöhnen. Zusätzlichen Schutz im Stall und auf der Weide bieten Insektenfallen.

Wirksamkeit getestet
Wie wirksam Insektenschutzmittel sind, ist auch vor vier Jahren an der Hochschule für Agrar-, Forst-, und Lebensmittelwissenschaften (HAFL) in einer über drei Monate gehenden Untersuchung (KAVALLO 7/2016) getestet worden. Die Untersuchung setzte sich zum Ziel, ein Testverfahren zu etablieren, das die praktischen Verhältnisse widerspiegelt und die Wirksamkeit gegen Bremsen beim Pferd für eine Wirkdauer von vier Stunden zuverlässig aufzeigt. Getestet wurde das Insektenschutzmittel oder Repellent DEET, das beim Menschen seit 60 Jahren als Mittel der Wahl gilt, um Bremsen abzuwehren. Das Resultat war eindeutig: Bei 16 von 32 Messungen wurden mit Repellentwirkung gar keine Bremsen, ohne aufgetragenes Mittel bis zu 29 Bremsen auf einem Pferd gezählt. Der immer wieder zu hörende Ausspruch, die Mittel nützten ja doch nicht, konnte damit widerlegt werden. Die HAFL-Studie hielt dazu fest: «Nach europäischer Gesetzgebung muss die Wirksamkeit eines Repellents gegen Bremsen bei Pferden u.a. in einem praxisnahen Test nachgewiesen werden, bevor es für den Verkauf zugelassen wird. Das vorliegende Versuchsdesign simulierte die Praxisbedingungen sehr gut.»
Die im Fachhandel angebotenen Produkte zur Fliegen-, Mücken und Bremsenabwehr sind in der Regel keine Biozide, also im nichtagrarischen Bereich eingesetzte Chemikalien oder Mikroorganismen, die Schädlinge abtöten. Bei den bei Pferden verwendeten Produkten handelt es sich dagegen um sogenannte Repellents, die unerwünschte Gäste wohl fernhalten, diese aber nicht töten. Die Frage stellt sich aber dennoch, welche Auswirkungen allenfalls diese Repellents auf die Pferde haben könnten, wenn sie regelmässig auf das Fell gesprüht werden. Langzeitstudien hierzu gibt es nicht, man weiss deshalb nicht, ob es bei der Anwendung zu negativen Nebenwirkungen kommt. Tatsache ist aber, dass all das, was auf das Pferdefell gesprüht wird, nicht an der Oberfläche bleibt, sondern in den Organismus eindringen kann. Die Haut ist schliesslich keine Barriere, sondern ein durchlässiges Körperorgan, das von vielen Stoffen passiert werden kann. Wer also sein Pferd regelmässig mit einem chemischen Repellent einsprüht, wird wohl gut daran tun, wenn er es während den Sommermonaten regelmässig wäscht.

Halten Streifen die Insekten ab?

Ob helle Streifen auf dunklen Pferden und dunkle Streifen auf hellen Pferden Insekten fernzuhalten vermögen, wurde auf wissenschaftlichem Hintergrund von Biologen aus Ungarn und Schweden untersucht. Die daraus gewonnenen Ergebnisse zeigten nämlich, dass kontrastreiche Muster offensichtlich als Schutz vor Insekten dienen. Das an der schwedischen Universität Lund durchgeführte Experiment brachte hervor, dass blutsaugende Bremsen mit Lockstoffen präparierte Attrapen mieden. Dennoch warnt Tierarzt Burkhard Bauer, Experte für «Lästlinge und blutsaugende Insekten» an der Freien Universität Berlin. Es gebe zwar die Beobachtung, dass Zebras weniger unter der gefürchteten Tsetsefliege leiden. Das aber auf ihr Fellmuster zurückzuführen, könnte auch ein Trugschluss sein. 

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