Editorial: 6/19

Ausbildung hat auch Werte zu vermitteln

Was immer auch dazu bewogen haben mag, dass wir uns Pferde zum Partner genommen haben – dass sie seither ihre Stellung bis in unsere Zeit hinein behaupten konnten, spricht für ihre Eigenart. Und die kommt uns sehr entgegen: Werden ihnen am einen Ort feudalste Unterkünfte hingestellt, müssen sie andernorts geschunden am Abend froh um eine handvoll Futter sein. Auch in unserer Gesellschaft ist unser Verhältnis zu den Pferden einer stetigen Veränderung ausgesetzt. Und die geht einher mit den allgemeinen aktuellen Trends, wie das Beispiel des ökologischen Hufabdrucks zeigt. Wenn sich die Wissenschaft um die Ökobilanz der Pferde kümmert, nehmen auch wir uns dem Thema in dieser Ausgabe an.

Der Wertewandel in der Gesellschaft wird unser Verhältnis zu den Pferden und den Umgang mit ihnen mindestens so stark beeinflussen wie die wissenschaftlichen Erkenntnisse. Zeigen nicht gerade die breit geführten Diskussionen über Gebisse und Nasenbänder, wie empfindlich die öffentliche Wahrnehmung gegenüber dem Pferdesport geworden ist? Und erst die Aufrufe von Promis und Politikerinnen in den Social Media, Pferde dürften im Zirkus nicht zur Belustigung missbraucht werden?

Werte zu vermitteln und nicht nur Ausbildung zu betreiben, hat aufgrund der oben aufgeführten Beispiele rund ums Pferd eine wichtige Stelle einzunehmen. Dass Pferde eben keine Sache sind, ist freilich nicht erst seit der gültigen Tierschutzverordnung bekannt. Treffend hat das Hans Moser, Goldmedaillengewinner 1948 in der Dressur, einmal festgehalten: «Das Richten einer Dressurvorführung ist weitgehend eine Gefühlssache. Unter keinen Umständen genügt ein Richter, wenn er sich lediglich auf das Beobachten des rein Technischen beschränkt. Ein Richter darf nicht nur sehen, er muss noch mehr ‹fühlen›.» Um diese Werte wollen wir uns doch bemühen.  

Thomas Frei
Chefredaktor

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