Von: Bart Krenger | Rechtsanwalt

Ratgeber: 5/19

Recht | Druse eingeschleppt – wer haftet?

Ein Pferdebesitzer aus einem Stall in der Nähe hat mit seinem Pferd an einer Veranstaltung auf unserer Anlage teilgenommen. Wie im Nachhinein bekannt wurde, war in dem Stall, aus dem er kommt, ein Pferd wegen Druse in Quarantäne. Die Gefahr einer Ansteckung war deshalb gross. Wenn nun eine Infektion stattgefunden hat, könnte man den Pferdebesitzer dafür haftbar machen? A. V. in U.

Mögliche rechtliche Grundlage
Grundlage für die Haftung des «Gastes» ist die Verschuldenshaftung nach Artikel 41 Absatz 1 Obligationenrecht (OR). Dieser lautet: «Wer einem anderen widerrechtlich Schaden zufügt, sei es mit Absicht, sei es aus Fahrlässigkeit, wird ihm zum Ersatze verpflichtet.»
Damit der «Gast» haftbar wird, braucht es also einen Schaden. Kommt es im besuchten Stall wirklich zur Ansteckung eines Pferdes mit Druse, bestünde der Schaden in den durch die Krankheit bedingten Tierarztkosten, eventuell, wenn das Pferd kommerziell eingesetzt ist, im Ausfall von dessen Verdienst. In seltenen Fällen könnte auch ein Minderwert des erkrankten Pferdes entstehen.
Als weiteres Element der Haftung bräuchte es eine schädigende Handlung des «Gastes», die zudem schuldhaft, also mindestens fahrlässig ist. Fahrlässig handelt, wer diejenige Sorgfalt nicht beachtet, zu der die Umstände und die persönlichen Verhältnisse verpflichten, diejenige Sorgfalt also, welche von einer Person in seiner Situation erwartet werden kann. Oder andersherum: Fahrlässigkeit ist gegeben, wenn die Schädigung bei der Anwendung der durch die Umstände gebotenen Sorgfalt hätte vermieden werden können. Zusätzlich ist verlangt, dass zwischen der Handlung des potenziell Haftpflichtigen und dem Schaden ein Kausalzusammenhang besteht, so dass die dem Täter zuzuordnende Handlung nicht weggedacht werden kann, ohne dass dann auch der Schaden ausbleiben würde.
Und diese Elemente Schaden, schadenstiftende Handlung, Verschulden und Kausalzusammenhang hat der angeblich Geschädigte, der Schadenersatz beansprucht, zu beweisen.

Konkrete Antwort
Bricht nun also im Stall bei unserem Leser die Druse aus und muss sein Pferd vom Tierarzt behandelt werden, muss er, wenn er den «Gast» für diese Kosten haftbar machen will, beweisen,
• dass die Ansteckung seines Pferdes durch das Pferd des «Gastes» verursacht wurde. Dazu müsste wahrscheinlich erwiesen sein, dass dieses auch erkrankt ist, zudem müsste man wohl nachweisen können, dass in der gleichen Zeit nicht noch andere Pferde aus anderen mit Druse befallenen Beständen im Stall verkehrten oder ein Pferd aus dem Stall des Lesers an einem Ort mit Druse war. Schwierig wird der Nachweis auch durch die Tatsache, dass zwischen Ansteckung und ersten Krankheitssymptomen eine Zeit von drei bis 14 Tagen liegen kann und während dieser Zeit ein Pferd vielleicht noch immer «im Verkehr» ist.
• dass der «Gast» mit seinem Besuch im fremden Stall seine Vorsichtspflicht verletzt hat. Dazu müsste erwiesen sein, dass im anderen Stall die Druse festgestellt und die nötigen Anordnungen getroffen worden sind, also jeglicher Pferdeverkehr aus jenem Stall untersagt wurde und alle Pensionäre korrekt instruiert waren – was keineswegs selbstverständlich ist, da im anderen Stall nach der Schilderung unseres Lesers erst ein Pferd «in Quarantäne» war.

Fazit
Ein reiner Verdacht genügt nicht. Der Beweis aller Elemente einer Verschuldenshaftung dürfte eher schwierig zu erbringen sein. Zur Druse gibt es eine interessante Besitzerinformation unter www.tierspital.uzh.ch/de/Pferde.

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