Editorial: 5/19

Veränderungen bis in die Grundbedürfnisse?

Unterschiedlicher als in dieser Ausgabe kann die Situation im Schweizer Pferdesport wohl kaum dargestellt werden. Zu freuen gibt es sich über die dominanten Springreiter Steve Guerdat und Martin Fuchs an der Weltspitze mit den Plätzen eins und zwei im Weltcup-Final. Sorgenfalten bereitet dagegen der einst so hocherfolgreiche Dressursport. In der zweiten oder dritten Liga wird er leistungsmässig eingestuft und darauf aufmerksam gemacht, dass sich der Sport nun mal verändert habe, ob das einem passe oder nicht. Da stellt sich schnell einmal die Frage, wie die Springreiter die so zuverlässigen Medaillensammler vom Dienst aus den Rängen verdrängen konnten.

An einem Podiumsanlass ist die sonst als zurückhaltend bekannte Dressurszene an die Öffentlichkeit getreten und hat dafür von oben alles andere als Lob und Anerkennung für diese Initiative bekommen. Darüber muss sich das Dressurlager nicht grämen, den Springreitern ging es vor Jahren nicht anders. Um den Anschluss an die veränderten Verhältnisse im internationalen Sport nicht zu verpassen, wählten sie publikumswirksam am Frauenfelder Traditionsturnier an Pfingsten den Streik und weigerten sich, den Jubiläumswall runterzurutschen – mit dabei Thomas Fuchs und Philippe Guerdat, die Väter unserer Springreiter-Asse. Der Reiteraufstand erschütterte die Schweizer Pferdewelt stark und leitete – ob’s passte oder nicht – den Übergang ins professionalisierte Umfeld ein.

Veränderungen glaubt Stallbaupionier Andreas Kurtz selbst in den Grundbedürfnissen der Pferde auszumachen. Im Dossier über 40 Jahre Stallbau vermutet er nämlich, dass wir über die Jahrhunderte hinweg mit der Domestikation möglicherweise so weit in die Natur des Pferdes eingegriffen haben, dass selbst Grundbedürfnisse leicht verändert wurden. An der Freude am Pferd ändert das nichts. 

Thomas Frei
Chefredaktor

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