Editorial: 4/19

Allen Pferden gute Menschen

Pferde haben sich im Aussehen und in der Grösse unseren Wünschen und Begehrlichkeiten zu fügen. Das war auch zu ihrem Vorteil: Hätten sie sich nicht vom schweren Fuhrpferd zum feinfühligeren Therapie- oder Coachingpferd umzüchten lassen, wäre die Equidenpopulation im 21. Jahrhundert nicht laufend gewachsen – laut Agate um 0,865 Prozent auf neu 123'838 Equiden im Jahr 2018. Doch Pferde verfügen nicht nur über ein Exterieur, nicht weniger wichtig ist ihr Interieur, das seit neuerer Zeit auch als Kriterium bei den Hengstselektionen gilt. Fest verankert in den Genen bleiben dagegen ihre Verhaltensmuster.

Wie stark sich die Pferdewelt hingegen wandelt, zeigt sich uns gerade in dieser Ausgabe. Ob wir in die über 40-jährige Geschichte der Pferdeausstellungen in Bern zurückblicken, den Wandel in der Dressurreiterei analysieren oder die Verbesserungen in der Haltung hervorheben, die sozio-ökonomischen Entwicklungen in unserer Gesellschaft bestimmen unseren Alltag genauso wie das Umfeld unserer Pferde. Und so wie das Pferd den Platz an unserer Seite nur durch ein ständiges Mitgehen behaupten konnte, werden wir Pferdefreundinnen und -freunde unsere Leidenschaft nur ausleben können, wenn auch wir uns nach dem Wertewandel auszurichten verstehen. Dass – im Gegensatz zur ersten Version  –  der neue Turnierbericht des Schweizer Tierschutzes STS die Kooperation mit Pferdesportverband und Organisatoren besonders he­rausstreicht und lobt, ist ein nicht zu übersehendes Signal.

Auch wenn der STS-Turnierbericht auf diesen und jenen Missstand hinweist, von einer Pferdehölle wie um 1900 sind wir weit weg. Dennoch: Am 1952 im «Schweizer Kavalleristen» geäusserten Wunsch hat sich nichts geändert: «Allen Pferden gute Menschen» bleibt eine stetige Herausforderung.  

Thomas Frei
Chefredaktor

Drucken