Von: Christa Wyss, Schweizer Nationalgestüt SNG

Stallwettbewerb: 3/18

Natur liefert Ideen

Grosse Distanzen zwischen Raufutter- und Kraftfutterstation, Weide und Liegebereich auf dem Bipperhof in Oberbipp. Zugang zu einer grossen Weide besteht das ganze Jahr.

Grosszügige Auslaufflächen mit Juramergel und Verbundsteinen, zwei Tränken sowie einer Pferdetoilette unter dem Vordach befinden sich ausserhalb der Liegehalle auf dem Eschterhof.

Mit einem Selektionstor kann der Zugang zur Weide und zu einer zusätzlichen Heuraufe für schwerfuttrige Pferde gesteuert werden. Dünnere Pferde dürfen je nach Graswuchs früher auf die Weide. Geholt wird die ganze Gruppe gemeinsam.

Die Verbindungswege zwischen Liegehalle und Fressbereich mit der computergesteuerten Heuraufe sind auf der Rufer Ranch zur Hälfte stabilisiert und zur Hälfte als Naturboden belassen.

Sozialkontakte, lange Fresszeiten und viel Bewegung – mit diesen Ideen im Kopf werden moderne Pferdeställe konzipiert. Viele Betriebe bieten heute gute Lösungsansätze an, wie der erste Stallwettbewerb gezeigt hat.

Pferde sollen ein möglichst artgerechtes Leben mit Sozialkontakten, langen Fresszeiten und viel Bewegung haben. Dies ist ein von Pferdebesitzerinnen und Pferdebesitzern oft geäusserter Wunsch und entsprechend steigt in der Pferdehaltung der Bedarf und auch das Angebot an Stallkonzepten, welche Pferden vermehrt die Möglichkeit zur Bewegung ermöglichen. Alle im Rahmen des ersten Stallwettbewerbs besuchten Betriebe versuchen dieser Nachfrage mit unterschiedlichen Lösungsansätzen nachzukommen.

Von der Planung hängt’s ab
Unter natürlichen Bedingungen bewegen sich Pferde vorwiegend während der Futtersuche und -aufnahme im Sozialverband im Schritt an bis zu 16 Stunden am Tag. Das Bild von möglichst naturnahen Bedingungen führt denn auch dazu, dass Stallkonzepte neu überdacht werden. Werden nun bei der Stallplanung Liegebereich, Tränke- und Fressbereich dezentral angelegt, legen die Pferde zwischen den verschiedenen Aktivitätsbereichen meist mehrere Kilometer Distanz pro Tag zurück. Oft entstehen dabei ausgetretene Trampelpfade, wie wir sie auch auf grossen Weiden vorfinden, wenn von den Pferden verschiedene Orte wie Bäume als Witterungsschutz oder Tränkestellen regelmässig aufgesucht werden.

Unterschiedliche Böden gefragt
Viele Pferde in Gruppenhaltungen sind nicht beschlagen und legen täglich mehrere Kilometer in ihren Haltungssystemen zurück. Es ist wichtig zu wissen, dass gesunde Hufe so hart werden, wie es ihre Umgebung erfordert. Werden Pferde ausschliesslich auf weichen Böden gehalten, so werden ihre Hufe nicht widerstandsfähig genug, um auf Steinen und Asphalt über lange Zeit problemlos ohne Hufschutz gehen zu können.
Verschiedene Bodenmaterialien in verschiedenen Bereichen der Anlage fördern die Hufgesundheit. Bei einer sinnvollen Raumanordnung lässt sich damit auch die Entmistung vereinfachen und bewirken, dass die Pferde verschiedene Verhaltensweisen an verschiedenen Orten ausführen, wie beispielsweise Verbundstein im Bereich des Futterplatzes, Sand als Wälz- und Liegeplatz, Holzschnitzel als «Harnplatz» oder Schotter an Durchgangsstellen. Auch ist dies ein gutes Mittel, die Pferde zur Bewegung zu animieren und ihr Umfeld abwechslungsreich zu gestalten.
Die Auslaufflächen und Wege sind mit unterschiedlichen Materialien wie Juramergel, verschiedenen Arten von Sand, Rundkies, etc. befestigt. Der Pensionsbetrieb Rupp in Fahrni ist sehr erfahren im Anlegen von pferdegerechten Wegen in steilem Gelände. Die Pferde sind gut bemuskelt und haben schöne Hufe.

Aufwändiger Weidegang
Die Organisation eines mehrstündigen Weidegangs kann in der Gruppenhaltung gerade bei gemischten Gruppen mit unterschiedlichem Nährzustand recht aufwändig sein und einige Zeit in Anspruch nehmen. Auf Betrieben mit beschränkten, kleinen Weideflächen müssen die Pferde deshalb zur Schonung der Grasnarbe je nach Graswuchs zeitlich limitiert auf die Weide gelassen werden.
Wie die oben genannten Beispiele zeigen, fehlt es nicht an guten Ideen und am Willen zur Umsetzung bestmöglicher Lösungen durch die Betriebsleiter und Betriebsleiterinnen. Die grössten Hürden bis zur Realisierung der Pläne sind oft das Einholen von zonenkonformen Bewilligungen bei den Behörden. Hier braucht es besonders viel Sitzleder.

Mehr Komfort im Stall

Wer will für sein Pferd keine 5-Sterne-Unterkunft? Ob in Einzelhaltung oder Gruppe, ein hohes Wohlbefinden zahlt sich auch im Umgang aus. Abschluss des 2. Stallwettbewerbs bildet deshalb ein Seminar mit dem Thema «Mehr Komfort im Stall» und findet statt am
Samstag, 12. Mai 2018,  9.15–12.30 Uhr, PFERD Bern.

In der Pferdehaltung spielt der Mensch immer noch eine wichtige Rolle, ein guter Stall kann den Wohlfühlkomfort aber stark steigern. So wird unter anderem ein Bewertungssystem vorgestellt, welches objektiv darüber Auskunft gibt, wie wohl sich Pferde fühlen.
Ausführliche Kursunterlagen können ab sofort bestellt werden bei KAVALLO
Unter Ifang 1, 8444 Henggart, Tel. 052 232 18 91 oder
info@kavallo.ch.

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