Von: Mirjam Krasensky Frei

Dossier: 3/18

Weiden | Heiss geliebt – extrem belastet

Nicht zu unterschätzen ist der soziale Aspekt von Weiden: Kopf an Kopf bedeutet kleines Glück. Foto: Tourismus Einsiedeln

Pferdeweiden leiden doppelt: zum einen unter dem Verbiss, zum anderen unter den Hufen. Foto: Roman Polcan

Kein Wunder, wenn nach solchen übermütigen Bocksprüngen eine Übersaat nötig wird. Foto: Elisabeth Weiland

Weiden sind nicht nur zum Fressen da, freier Ausgang im grünen Paradies wird nicht weniger geliebt. Foto: Roman Polcan

Pferde zeigen sich als Feinschmecker – nur was gut schmeckt, wird mit den Zähnen abgerissen. Foto: Anke Klabunde

Und wenn der Hunger einmal gestillt ist, wird die Weide nicht weniger gerne für etwas Wellness genutzt. Foto: zvg

Mit kleinen Weiden haben Pferde ihre liebe Mühe, geboren sind sie eigentlich für grenzenlos weite Flächen. Ungewollt schädigen sie mit Hufen und tiefem Verbiss die Grasnarbe, die das ganze Jahr über nur grün bleibt, wenn sie aufwändig gepflegt wird.

Kopf nach unten und genüsslich nach den besten Gräsern suchen, das liegt in der Natur der Pferde. Was für eine Unruhe im Stall, wenn es für einmal nicht zum gewohnten Weidegang kommt oder die Nachbarn links und rechts ins grüne Paradies geführt werden! Der Unmut ist unübersehbar und zeigt auf, was den Vierbeinern Freude machen würde. Was Weidegang bei ihnen bewirkt, wird erst richtig klar, wenn sie von der Weide geholt werden: Es herrscht Ruhe, in der Arbeit zeigen sie sich ausgeglichen und konzentriert. Das angeborene Verhalten mit langer Fress--zeit und stetigem Vorwärtsbewegen ist erfüllt und unterstreicht gleichzeitig die Doppelfunktion der Weide – Fress- und Tummelplatz in einem.
Was Weidegang für die Pferde, Ponys und Esel bedeutet, wissen wir sehr wohl, sehen uns aber sehr oft nicht in der Lage, ihnen das grüne Paradies in Hippo-Dimensionen bieten zu können. Der Platz ist knapp und wird noch knapper, wenn der Boden rundherum von Baumaschinen weggefressen wird. Von Zäunen mussten sich die Equiden vor Jahrtausenden nicht einengen lassen. Trotz ihrer harten Hufe und dem tiefen Biss ihrer Zähne zerstörten sie ihren Lebensraum nicht, wie das heute unausweichlich der Fall ist. Freilich, als sie noch ihren Freiraum hatten, rissen sie die Gräser genau gleich tief ab und traten nicht weniger hart auf dem Boden auf. Doch weil sie als stark selektive Pflanzenfresser kaum lange an den gleichen Stellen blieben, nahm die Pflanzendecke auch keinen Schaden. Und auch der abgesetzte Mist oder die uringetränkten Geilstellen vermochten den Weidegründen nichts anzuhaben. Bis die Gruppe wieder zurückkehrte, war alles längstens nachgewachsen.

Damit es kein Acker wird
Pferde wollen sich in der kleinen Freiheit nicht in erster Linie tummeln, Kopf nahe am Boden und fressen hätte für sie vom angeborenen Verhalten her den größeren Anreiz. Doch wenn es nichts abzureissen gibt, ja dann muss sich Pferd oder Pony anderweitig beschäftigen. Da die meisten Pferdebetriebe nicht über ausreichende Flächen verfügen, um Ruhezeiten einhalten, dem strapazierten Grünland Zeit zum Regenerieren geben und bei Nässe Schonung bieten zu können, ist Weidepflege ein wichtiger Aspekt eines zeitgemässen Stallmanagements. Ziel unserer Bemühungen muss sein, eine dichte, tragfähige und elastische Grasnarbe bestehend aus verschiedenen Gräsern und Kräutern über die Weidesaison hinaus zu erhalten.
Wiese ist nicht gleich Wiese – die richtige Mischung an Gräsern hilft aber sehr, Weidegrund und Tummelplatz zu vereinen. Um zur richtigen Wahl zu kommen, holt man sich am besten den Rat bei einer Fachstelle wie dem UFA-Beratungsdienst. Die Pferde fressen eben nicht nur die Assimilationsblätter ab, sie zerstören mit ihren Hufen auch noch die Wurzeln und verdichten den Boden. So setzen sich nur noch diejenigen Arten durch, welche sich sehr schnell regenerieren können. Das sind Wurzelausläufer treibende Arten wie Weissklee, Wiesenrispe, Englisch Raigras, Gemeines Rispengras sowie pfahlwurzelnde Arten wie Breit- und Spitzwegerich oder Hahnenfuss. Hinzu kommt, dass Pferde sich auch als Feinschmecker zeigen und nicht so gut schmeckende Pflanzen oder grobe Halme stehenlassen. Diese Pflanzenarten können sich dadurch voll entwickeln und ausbreiten. Als Gegenmassnahme hilft nur Ausmähen oder eine ins Kraut schiessende Weide von einem sehr gefrässigen und wenig wählerischen Pferd zurückfressen zu lassen.
Nicht für Pferdeweiden gilt die alte Bauernregel «Mist ist des Bauern List». Pferdemist ist allein schon wegen des Parasitenrisikos möglichst häufig von der Weide aufzunehmen. Nahrung brauchen die Pflanzen indessen schon. Ideal für Weiden wäre für die Regeneration eine Ruhezeit von drei Wochen, was beim beschränktem Angebot aber kaum möglich ist. Je intensiver die Nutzung, desto höher müssen die Gaben an Stickstoff, Phosphor, Kali und Magnesium sein. Werden die Düngergaben unterschritten, profitieren sofort diejenigen Arten, die mit weniger Nährstoffen auskommen. Zwei Drittel der Düngergabe sollte im Frühling beim Beginn des Wachstums und nach dem ersten Umtrieb gegeben werden, der Rest ab Mitte August bis Ende September. Kündigt sich Regenwetter an und kann der Dünger noch vorher ausgebracht werden, lässt sich nach der Regenperiode mit dem Weiden gleich wieder fortfahren.
Zur sorgfältigen Pflege einer Weide gehören heute auch regelmässige Nachsaaten. Auftretende Lücken sollten baldmöglichst geschlossen werden, um die Zuwanderung minderwertiger Gräser und Kräuter zu verhindern. Professor Martin Elsässer vom Landwirtschaftlichen Zentrum Aulendorf (Baden-Württemberg) unterschied in einem Referat über Grünlandmanagement bei Pferdeweiden sogar zwischen einer «vorbeugenden Übersaat» respektive «reparierenden Durchsaat».
Gross sind die Ansprüche an die paar wenigen Aren Weidefläche, die wir unseren Pferden und Ponys meistens zur Verfügung stellen können. Gross ist aber ihre Freude, wenn sie ihre kleine Freiheit darauf finden – unser Aufwand für die Pflege der Weide hat sich gelohnt.

Tipps zum Anweiden

Ein ganzjähriger Weidegang ist in vielen Ställen nicht möglich, umso sehnlichster wird von Zwei- und Vierbeiner der Zeitpunkt zum Anweiden herbeigesehnt. Der Übergang von der reinen Stallhaltung mit Heufütterung zur Weidesaison mit saftigem Gras ist aus ernährungsphysiologischer Sicht eine kritische Zeit. Im Rahmen eines richtigen Anweide-Managements gewöhnt sich der Körper des Pferdes langsam an das neue Futter, Durchfall oder gar eine Hufrehe können hierdurch vermieden werden. Der richtige Anweide-Zeitpunkt bei Pferden ist gekommen, wenn das Gras etwa 20?cm hoch gewachsen ist. Dieser Zeitpunkt kann sich – je nach Standort und Wetterlage – um einige Tage bis Wochen vor- oder zurückschieben.
• Vor dem Weidegang füttern. Pferde nicht mit leerem Magen auf die Weide stellen.
• Langsames Anweiden. Weideaufenthalt im 10-Minuten-Takt verlängern.
• Nicht frühmorgens auf die Weide. Frühmorgens ist der Zuckergehalt im jungen Gras am höchsten, deshalb beim Anweiden die frühen Morgenstunden vermeiden.
• Vor dem ersten Weidegang Pferde bewegen, um Verletzungen von Bändern, Sehnen und Gelenken vorzubeugen.

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