Von: Thomas Frei | Fotos Valeria Streun, Jaqueline Stalder

GESUNDHEIT: 4/17

Biosicherheit | Shampoo allein genügt nicht

Hygiene im Pferdestall geht über sauber shampoonierte Pferde hinaus.

Der Hochdruckreiniger erleichtert die Putzarbeiten und kann auch zur Desinfektion eingesetzt werden.

Reinigung als Stallevent – alle helfen mit und freuen sich über saubere Unterkünfte für ihre Pferde.

Pferde nehmen schnell einmal 30 Liter Wasser pro Tag auf – am besten aus sauberen Tränke­becken.

In Pensionsställen mit wenig Wechsel reichen ein bis zwei Reinigungen pro Jahr.

Bei Futtertrögen ist besonders auf die Sauberkeit zu achten, Futterreste können schnell schädlich werden.

Shampoo bringt die Pferde zum Glänzen, Hygiene im Pferdestall geht aber über Seifenschaum hinaus. Diese beginnt bei der Luftqualität und sauberen Wänden, betrifft die Einstreu und das Futter. Biosicherheit nennt sich Stallhygiene moderner und bezweckt, den Gesundheitsstatus des Pferdes zu optimieren. 

Ein ganz alltäglicher Fall, wie er in jedem Stall vorkommen kann. Zwei neue Pferde kommen in den Betrieb, nach einigen Tagen zeigt das eine Pferd einen leichten, trockenen Husten. Keine zwei Wochen vergehen und zwei Drittel der eingestellten Pferden husten auch. Und es sind nicht einmal die Boxennachbarn links und rechts, nein, es sind Pferde, die nie in direkten Kontakt mit den Neuankömmlingen gekommen sind. Krankheiten breiten sich in Pferdeställen schneller aus als das Wissen um die Hygiene. 

Biosicherheit beginnt im Stall
Handelt es sich hier um einen leichten Fall, hatte die Verbreitung der Druse im letzten Herbst schlimme Folgen. Auch wenn es an Veranstaltungen zu Schrumpffeldern kommt, der Verzicht auf eine Turnierteilnahme ist der richtige Schritt, um sein und das Pferd anderer vor ansteckenden Krankheiten zu schützen. Das Thema Hygiene hat deshalb zu den Startvorbereitungen zu gehören. Denn Turniere bedeuten auch das Aufeinandertreffen von Pferden aus verschiedenen Beständen und damit ein Gesundheitsrisiko.
Grundsätzlich beginnt das Hygienemanagement im heimischen Stall damit, den Pferden einen optimalen Gesundheitsstatus mit starkem Immunsystem zu gewährleisten sowie die pathogenen Erreger im Stall und seiner Umgebung stetig zu verringern. Für Henrike Lagershausen, Leiterin der Abteilung Veterinärmedizin bei der Deutschen Reiterlichen Vereinigung, heisst das Schlagwort in diesem Zusammenhang «Biosecurity» beziehungsweise «Biosicherheit». Aber was genau ist Biosecurity? Warum müssen sich Reiter, Pferdebesitzer und -halter damit befassen?
Das Konzept ist weder neu noch sind die daran gekoppelten Massnahmen teuer oder schwierig umzusetzen. Häufig reicht es, einfache Dinge und Abläufe im Stall zu verändern, um Fortschritte im Hygienemanagement und damit mehr Biosicherheit im Pferdebetrieb zu erreichen. Jeder Einzelne kann täglich zu mehr Hygiene und Bio-sicherheit im Stall beitragen. An den Abläufen in einem Pferdestall sind aber häufig zahlreiche Personen beteiligt, eine gute Zusammenarbeit und die gemeinsame Formulierung von Hygienestandards sind der beste Weg, um ein erfolgreiches Hygienemanagement anzuwenden.
Wie steht es nun um die Hygiene im eigenen Stall? Es ist sinnvoll, regelmässig nach Schwachpunkten zu suchen. Dafür muss man die Gegebenheiten im Stall sowie die täglichen Abläufe genau anschauen, kritische Kontrollpunkte benennen und überlegen, wie man die Schwachstellen beseitigen kann.
Die Gefahr der Ansteckung mit einer Krankheit wie Druse, Herpes oder Influenza auf einem Turnier ist indessen nur ein Aspekt in der Hygiene, auf die im Stall zu achten und keine Erfindung unserer Zeit ist. So hält doch bereits ein Exkursionsbericht der Veterinärmedizinischen Fakultät der Universität Zürich aus dem Jahr 1950 in den Marstall Einsiedeln fest: «In alten Gewölben sind die Pferdestallungen untergebracht, wobei aber zu der sicher sehr weit zurückliegenden Bauzeit (17. Jhr.) auf Hygiene, speziell auf Luft und Licht, geachtet wurde.» 

Achtung vor Staub
Hygiene im Pferdestall beginnt bei der Luft und Sauberkeit, der Einstreu und beim Futter. Zu den obersten Geboten zählt, dass möglichst wenig Staub aufgewirbelt wird und die Einstreu sauber zu halten ist. Die Gefahr für die empfindliche Pferdelunge über den Staub kommt von den Endotoxinen, also den Bestandteilen von Bakterien, die in grosser Menge vor allem im Pferdemist enthalten sind. Trocknet nun der Mist und vermischt sich mit Einstreu oder auf dem Boden liegenden Heu oder Stroh, so kann das Gemisch schnell aufgewirbelt werden und zu hohen Staub- und Endotoxinkonzentrationen führen.
Mit schädlichem Staub in der Stallluft hat sich Dr. Ingrid Vervuert, Privatdozentin an der Veterinärmedizinischen Fakultät der Universität Leipzig und Autorin von Fachbüchern, befasst. Wie Pferde gefüttert und gehalten werden, spielt für sie eine enorm wichtige Rolle: «Bei der Prävention und Therapie von Atemwegserkrankungen steht die Optimierung der Haltung und Fütterung im Vordergrund. Die Zusammensetzung des luftgetragenen Stallstaubes aus Schmutzpartikeln, Mikroorganismen und Schadgasen wird massgeblich durch die Auswahl und Hygiene der Futtermittel und Einstreumaterialien, die Ausscheidungsprodukte der Pferde über Atmung, Haut, Kot und Harn sowie durch die Besatzdichte und das entsprechende Lüftungssystem des Stalls geprägt.» Über Anfeuchten des Stallganges kann die Staubkonzentration verringert werden.
Reinigung und Desinfektion sind unverzichtbar, wenn es darum geht, den Infektionsdruck im Stall zu vermindern. Bei der Stalldesinfektion ist die Wahl des richtigen Desinfektionsmittels wohl der wichtigste Schritt. Da chemische Desinfektionsmittel letztendlich dazu dienen, Lebewesen abzutöten, liegt es in der Natur der Sache, dass sie bei unsachgemässer Anwendung auch für Mensch und Tier Gefahren mit sich bringen.

Hygiene-Regeln für Pferdeställe
• Die Pferde müssen gegen Influenza geimpft sein.
• Der Stallbesitzer sorgt für die Umsetzung eines gemeinsamen Entwurmungskonzeptes.
• Das Futter wird trocken und sauber gelagert, Medikamente werden nicht im Futterwagen umhergefahren.
• Die benutzte Einstreu wird separat gelagert ohne Kontakt zu Pferden oder Futter.
• Neben dem Misten werden die Boxen von Zeit zu Zeit gereinigt.
• Tränken und Futtertröge sind in gutem, sauberem Zustand.
• Es gibt einen Schädlings­bekämpfungsplan.
• Auf den Weiden wird der Mist regelmässig aufgenommen.

Ungebetene Gäste im Pferdestall
Mäuse wie Ratten oder Insekten sollten in nicht zu grosser Zahl vorhanden sein, weil sie auch Krankheiten übertragen können. Wo Futtermittel gelagert werden, kommen Mäuse vor. Wird die Bekämpfung nicht früh aufgenommen, ist der Kampf bald einmal verloren. Denn ein Mäuseweibchen kann bei optimalen Bedingungen leicht 100 Nachkommen pro Jahr bekommen. Und geschlechtsreif sind sie bereits im Alter von 28 bis 46 Tagen. Die beste Bekämpfung geschieht über eine sichere Aufbewahrung der Futtermittel – Kräuter und Leckerli inbegriffen.
Gegen Mäuse lässt sich mit chemischen, mechanischen oder akustischen Mitteln vorgehen. Vorsicht ist beim Einsatz von Giftstoffen geboten. Von Lebendfallen ist abzuraten, weil die gefangenen Mäuse zu töten sind. Diese unangenehme Arbeit erledigt die Schlagfalle selber. Recht erfolgreich arbeiten Schallwellen. Diese leicht einzusetzenden Geräte erzeugen für uns unhörbare Töne und vertreiben im Hochfrequenzbereich Mäuse wie Ratten oder Marder.
Lästig werden können ebenfalls Insekten aller Art. Oberste Massnahme gegen sie ist die Stallhygiene. Futtertröge und andere Stalleinrichtungen sind regelmässig zu reinigen, die Einstreu ist täglich zu säubern. Bremsen und Mücken sind nicht nur lästig, sie stellen oft auch eine nicht zu unterschätzende Gefahr dar. Sie können unter anderem die Equine Infektiöse Anämie übertragen, die für Pferde den Tod bedeutet.

Biosicherheit im Pferdestall 

Die einen nennen es Stallhygiene, andere sprechen von Biosicherheit. Gemeint ist damit das Gleiche und bezweckt, den Gesundheitsstatus des Pferdes zu optimieren. Das Hygienemanagement beginnt im heimischen Stall und basiert auf vielen Komponenten.
Wie sich im eigenen Stall ein Hygiene­management umsetzen lässt, ist das Thema am 2. PFERD Stallseminar.  

Zu den einzelnen Themenbereichen äussern sich verschiedene Experten:
• Über Früherkennung und Prävention von ansteckenden Krankheiten referiert Dr. med. vet. Franziska Remy-Wohlfender.
• Wieso es im Pferdestall Biosicherheit braucht, welche Massnahmen dazu gehören und welche Schritte im Fall des Ausbruches einer ansteckenden Krankheit zu treffen sind, erklärt PD Dr. med. vet. Conny Herholz.
• Ueli Wyss von Agroscope referiert über die Futterqualität.
• Stallexperte Andreas Kurtz kennt Lösungen, wie sich Ställe mit baulichen Massnahmen bezüglich Hygiene verbessern lassen.
• Wie mit Einstreu und 12 t Mist pro Pferd und Jahr umzugehen ist, wird Ruedi von Niederhäuser vom Nationalgestüt darlegen.

Anmeldung PFERD Stallseminar >> Anmeldeformular

Ort: PFERD 2017, Bern
Datum: Samstag, 6. Mai 2017
Zeit: 9.15–12.30 Uhr
13 Uhr Preisverteilung Stallwettbewerb
Preis pro Person: Fr. 54.–, inkl. Eintritt BEA und Kaffee/Gipfeli

Anmeldeschluss: 3. Mai 2017

 

 

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