Editorial: 5/17

Und was wünschen sich die Besitzerinnen?

Verdienst und Effizienz sind am Pferdepensionstag der Zürcher Landwirtschaftsschule Strickhof die beiden zentralen Themen gewesen. «Der Kunde ist König – aber zu welchem Preis?» lautete denn auch das Tagungsthema und war im Prinzip schon falsch. Denn das aktuelle Kundenprofil, war zu hören, lautet: 34-jährig, weiblich. Was Alter und Geschlecht anbetrifft, mag das wohl zutreffen. Die immer bunter gewordene Pferdewelt hätte den Hinweis liefern können, dass es die Kundin in nur einer Grösse nicht gibt. Ein Pferd zu haben ist Lebensform und drückt die unterschiedlichen Ansprüche aus.

Die 34-jährige Besitzerin hat am Pferdepensionstag gefehlt. Zu viel wurde über Wirtschaftlichkeit und Verdienst gesprochen, obwohl eine in Baden-Württemberg schon vor Jahren durchgeführte Umfrage ergab, dass der Pensionspreis in den wenigsten Fällen zur Kündigung respektive zum Auszug führt. Gerade unter dem Aspekt, dass in den nächsten Jahren wohl mit einem Überangebot an Pensionsplätzen zu rechnen ist, hätten die Erfahrungen von zufriedenen respektive frustrierten Kundinnen zum Nachdenken darüber anregen können, auf was der Betriebserfolg letztlich basiert. 

Vertraglich regeln lässt sich die Unterbringung eines Pferdes in einem Pensionsstall ohnehin nur sehr bedingt. Das mussten schon viele Besitzerinnen erleben, wenn ihnen bei der Besichtigung 5*-Komfort versprochen wurde und der Alltag in der Notunterkunft mit Gammelfutter endete. Auf Verträge pochen hilft in solchen Fällen wenig, wenn mit der Antwort zu rechnen ist: «Du kannst ja gehen!» Soll eine Pferdepension zum Rentieren kommen, ist zuerst einmal eine Vertrauensbasis herzustellen. Ein paar Franken mehr als im Betrieb nebenan darf das schon kosten, wenn im Gegenzug mit dem Auge gefüttert und eingestreut wird.

Thomas Frei
Chefredaktor

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