Von: Nadine Maier | Fotos: Britta Arends

Barockreiten: 3/17

Mit dem Freiberger vor der Kamera

Der Freiberger Emerito brillierte beim Trainerschein für klassisch-barocke Reiterei und schloss als Bester ab.

So leicht kann Reiten sein – Julia Thut mit dem Freiberger Hengst Emerito in der Piaffe.

Mit der Stute Belleza in der Pesade und dem Säbel in der Hand – auf ihrer Suche nach der Herkunft der Reiterei stiess Julia Thut unter anderem auf das Rossfechten.

Julia Thut – Buchtipp | Mit einer Hand Feiner, balancierter und harmonischer reiten. Mit Übungen für Einsteiger und Fortgeschrittene ISBN: 978-3-487-08586-9, 200 S., mit zahlreichen Abb., gebunden, Olms Presse | Subskriptionspreis bis zum 31. März 2017: Euro 24.80, danach Euro 29.80

Ende Januar ist der deutsche Pferdefilm Wendy in den Kinos angelaufen. Die Schweizerin Julia Thut wirkt im Film als Stuntwoman und Reitdouble mit. Mit KAVALLO sprach Julia Thut über ihren reiterlichen Werdegang und die Dreharbeiten für den Wendy-Film.

Im klassisch-barocken Reiten ist Julia Thut eine bekannte Persönlichkeit. Bereits als kleines Mädchen war sie von Pferden fasziniert. Im Alter von acht Jahren lernte sie im Kleintierzoo auf Eseln reiten. Von da an war die Liebe zu den Equiden besiegelt. Mit 19 Jahren kam Julia Thut zu ihrem ersten eigenen Pferd. Die Welsh B-Araberstute war alles andere als einfach, man riet der jungen Reiterin, sie zu verkaufen. «Belezza war eine Mischung zwischen Genie und Wahnsinn», erzählt Thut. Schon bald merkte sie, dass sie mit diesem Pferd ohne fachliche Hilfe nicht weiterkommen wird. Aus diesem Grund absolvierte Julia Thut berufsbegleitend die Ausbildung zur Freizeittrainerin C. «Ich nutzte die Gelegenheit, um mehr darüber zu lernen, wie man ein Pferd korrekt arbeitet. Die Möglichkeit, später als Trainerin arbeiten zu können, stand für mich bei der Anmeldung nicht im Vordergrund», so Thut. 

Doch der Wissensdurst wurde immer grösser. In der barocken Reitweise fand sie den passenden Reitstil. Sie absolvierte Praktika bei Trainern wie Nathalie Penquitt und Bent Branderup. Später stiess sie auf das einhändige Reiten und das Rossfechten. «Beim Fechten hoch zu Pferd geht es in erster Linie nicht um die Show. Es geht darum, mit dem Pferd eins zu werden und es vollständig über den Sitz zu reiten», erklärt Thut.

Julia Thut liebt Action
Aber nicht nur als Buchautorin und begnadete Reiterin startet Julia Thut durch. Ein grosser Traum ging in Erfüllung, als sie als Stuntwoman und Reitdouble für drei Filme vor die Kamera durfte. «Ich wollte das schon immer einmal machen. Ich bin eben eine kleine Rampensau», sagt Thut und lacht. Als Filmpferde.com ein Double für den Wendy-Film suchte, nutzte die Schweizerin die Gelegenheit. Sie passte perfekt in die Rolle: «Ich bin klein und zierlich und kann somit problemlos als Double für ein Mädchen eingesetzt werden. Ebenfalls hatte ich über den Kampfsport und zehn Jahre Korrekturberitt verdorbener Pferde bereits Erfahrung in freiwilligem und unfreiwilligem Falltraining.» 

Die Zusammenarbeit am Set klappte reibungslos. Das Projekt stand unter der Leitung von Suzanne Struben, einer bekannten Artistin und Pferdefrau. Julia Thut schwärmt: «Sie ist eine tolle Person und hat einen unglaublichen Zugang zu den Pferden. Wir haben uns am Set blind verstanden.»  Auch zum Hauptpferd Larimar und zu seiner Trainerin Svea Wrangeheim weiss die Stuntfrau nur Gutes. Besonders freute sie, dass sie eine Szene mit dem eignen Pferd drehen und mit hohen Dressurlektionen zeigen konnte. 

«Mit den Pferden ist es wie mit den Schauspielern. Du hast ein Hauptpferd und je nach Situation setzt man aufs Double», erklärt Thut. Das habe mehrere Gründe, sagt sie. Einerseits dauern die Drehtage bis zu zwölf Stunden. Für ein Pferd alleine wäre das nicht zu bewerkstelligen. Ebenfalls brauche man für jede Situation das passende Pferd. «Das Pferd, welches auch von der Schauspielerin geritten wird, muss total ruhig und -filmerfahren sein», so Thut. «Für -actionreiche Szenen wiederum wird dann ein anderes Pferd eingesetzt und Stuntleute kommen zum Einsatz.» 

Nebst ihrer Filmkarriere setzt sich Julia Thut auch für den Freiberger ein. Die einheimische Pferderasse weckt in ihr nostalgische Kindheitserinnerungen. Ihre Tante und ihr Onkel hatten Freiberger gezüchtet und Julia Thut war seit jeher begeistert von den Freiberger Hengsten. Nach der Ausbildung zur Freizeittrainerin war klar, dass ein zweites Pferd her muss. Felix Stampfli fördert die Freibergerzucht und fragte Julia Thut an, ob sie nicht einen Freiberger fürs Barockreiten ausbilden möchte. Gemeinsam besuchten sie die Hengstselektion in Glovelier und erwarben Emerito. Sein Können durfte er bereits beim Trainerschein für klassisch-barocke Reiterei beweisen. Dort trat er gegen spanische Hengste an und verliess den Platz als Lehrgangsbester.  «Ich wünsche mir, dass der Freiberger weniger als Anfängerpferd verkauft wird, sondern mehr in fördernde Hände kommt.» 

Julia Thut live

Wer Julia Thut live sehen möchte, hat dazu am 7. April anlässlich eines zweistündigen Demoabends in Hombrechtikon Gelegenheit. Dort wird sie das einhändige Reiten erläutern und vorzeigen.
Weitere Infos: www.niederfeld.ch

Am 3. Mai 2017 führt Julia Thut mit Regisseurin Jolanda Ellenbergr an der PFERD in Bern von 15–17.30 Uhr vor, wie Pferde für Filmaufnahmen ausgebildet werden.

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