Editorial: 1-2/17

Der Druck von aussen nimmt zu

Pferdesport bleibt selbst im ausufernden Angebot an Sportarten einzigartig. Auf welchem Niveau wir uns auch bewegen, auf olympischer Ebene nicht anders als auf einem Ausritt über Felder und durch Wälder. Dazu haben wir uns einen Partner auf Augenhöhe ausgewählt: Er spricht zwar unsere Sprache nicht, weiss aber unser Tun und Lassen sehr wohl zu deuten und kennt darüber hinaus emotionale Momente, wie wir in dieser Ausgabe über Sorgenfalten und Freudengewieher lesen können. 

Dass Pferde nicht mehr als Sportgerät im Sachbereich angesiedelt sind, sondern als Individuum mit Eigenleben gelten, ist für die Ausübung des Pferdesports eine grosse Herausforderung. Immer weniger werden die Pferdesportverbände allein festlegen können, was auf der Rennbahn, im Viereck oder auf dem Springplatz ablaufen darf und was nicht. Das in Australien kürzlich beschlossene Verbot von Peitschen im Sulkysport zeigt den Rahmen auf,  in welchem sich der Pferdesport künftig zu bewegen hat. 

Der Pferdesport sieht sich aber nicht allein mit ändernden ethischen Ansichten konfrontiert. Die von der FEI beschlossenen Änderungen für die Olympischen Reiterspiele mussten letztlich auf Druck der modernen Sportwelt umgesetzt werden. Neu ist das nicht – in der 104-jährigen Geschichte der olympischen Reiterwettkämpfe ist es immer wieder zu Anpassungen gekommen. Mannschaftswettkämpfe in der Dressur gab es zu Beginn überhaupt nicht, Equipen à 3 Paare waren später über Jahre hinweg die Regel. Viel wichtiger ist, dass der Pferdesport olympisch bleibt. Die von Steve Guerdat und Nino des Buissonnets vor vier Jahren gewonnene Goldmedaille glänzt bis heute in den Köpfen, wie der medial gut begleitete Abschied in Genf zeigte. «Merci Nino» sagen wir deshalb im Namen der ganzen Pferdeschweiz.

Thomas Frei
Chefredaktor

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