Editorial: 12/16

Wie Pferde uns, wie Pferde wir sehen

Pferde haben für uns immer im Mittel- punkt zu stehen. Eigentlich egal, um welches Thema es sich in einem Beitrag handelt. Auch in den zwei Artikeln in dieser Ausgabe, die vom Inhalt her sehr unterschiedlich sind, aber auf einen Punkt hinweisen, der im Umgang mit Pferden an Bedeutung gewonnen hat. Es geht um die Frage, wie wir von unseren vierbeinigen Partnern wahrgenommen werden. Die Eigenschaft der Pferde, völlig unvoreingenommen auf uns zuzugehen, kommt im Hauptartikel über ihren Einsatz in der «Pferdegestützten Therapie und Förderung» besonders berührend zum Ausdruck. Nicht weniger eindrücklich sind die Hinweise im Dossier, wie empfindsam Pferde auf unseren momentanen Zustand reagieren, wie sich psychischer Stress aufs Reiten überträgt.

Das Interesse der Wissenschaft an Pferdeforschung bringt regelmässig neue Hinweise darauf, wie Pferde uns sehen und was sie an uns ablesen. Zum Beispiel, dass Pferde auf wütende Gesichter besonders stark reagieren, wie eine an der University of Sussex durchgeführte Studie aufzeigt. Erleichtern Erkenntnisse dieser Art nun den Umgang mit ihnen oder setzen sie uns unter Druck? Sicher ist, dass sie allein dank ihren besonders guten Augen für unsere Mimik und Gesten die von uns verlangten Aufgaben erfüllen können. 

Wie Pferde uns begegnen, wissen die mit ihnen arbeitenden Therapeuten zu nutzen. Ihr Verhalten erleichtert die erste Kontaktaufnahme und zeigt den Weg für Therapie und Förderung auf. Aber welche Rückschlüsse ziehen wir, wenn uns das Pferd die Hinterhand zudreht und dem Auslauf zustrebt? Oder an der Longe nicht den gewünschten Takt zeigt, weil das Handy am Ohr die Aufmerksamkeit anderswohin und nicht auf den Vierbeiner lenkt? Ärgern wir uns über ihr Verhalten oder den Spiegel, den sie uns vor Augen halten?

Thomas Frei
Chefredaktor

Drucken