Editorial: 11/16

Namenlose Warmblüter haben wir nicht

Züchterische Leidenschaft spürte rundum jeder, der am Equus Helveticus zwischen den Anlagen des Instituts Equestre National d’Avenches und dem Hof des Schweizer Nationalgestüts hin und her schlenderte. Der Züchterstolz war berechtigt. Denn wer seinen CH-Warmblüter oder seinen Freiberger FM im Programm für einen der Finals aufgeführt sah, hat doch das Zuchtziel erreicht. Erfüllter Züchterstolz als Lohn für die vielen in den vorangegangenen Jahren aufgewendeten Stunden. Positiv zu Buche schlägt der sportliche Erfolg dennoch nicht, beim Freiberger ist das nicht anders als beim Warmblüter.

Equus Helveticus verschafft darüber hinaus auch Einblick ins helvetische Zuchtgeschehen ganz allgemein und vereinigt die in der Schweiz gezüchteten Pferde auf einem Platz. Es geht nicht um Freiberger oder Warmblüter, es dreht sich einfach alles um in der Schweiz geborene Pferde. Wie wichtig das Miteinander für die in unserem Land stark bedrängten Pferde ist, scheint indessen noch nicht allen Hippo-Repräsentanten bewusst zu sein.  Wenn Pierre-André Poncet, ehemaliger Direktor des Gestüts und heutiger Präsident beim Schweizer Rat und Observatorium der Pferdebranche im Vorwort zum neuen Freiberger-Buch schreibt «Oder bleibt uns nichts anderes übrig, als ihn (den Freiberger) in die Namenlosigkeit der Warmblutpferde entschwinden zu lassen, von denen es schon so viele gibt?», geht es nicht mehr um die Sache des Pferdes. Pferde haben keine Rasse, Pferde haben aber Besitzerinnen und Besitzer, die ihnen Namen geben, stolz auf sie sind und sich an ihnen freuen. Und hoffentlich das Glück gehabt haben, das Pferd zu finden, das ihnen frohe Stunden bietet. Pferdezucht jeglicher Richtung hat schon immer nur überleben können, wenn ein Markt da ist. Freiberger genauso wie «namenlose» Warmblüter.

Thomas Frei
Chefredaktor

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