Editorial: 10/16

Alte Lehre wird neu bestätigt

Steht die Reiterei nun Kopf oder zäumt der Kavallo das Pferd am Schwanz auf? Egal in welchem Sattel man sitzt, wer hat nicht den Wunsch, ruhig sitzen zu können und das unter uns gehende Pferd von störenden und unkontrollierten Bewegungen zu verschonen? Der Sitz, wurde früher verlangt, soll so geschmeidig sein, dass ein 5-Franken-Stück zwischen Sattel und Reithose liegen bleibt und nicht auf den Boden fällt. Und glaubt man nun, nach vielen Stunden im Sattel, nah an dieses Ziel herangekommen zu sein, legt man uns keinen Fünfliber, sondern Bälle unter den Po – und vorbei ists mit einem ruhigen und kontrollierten Sitz. Gehört alles der Vergangenheit an, was bisher mit ein Grund für Reitstunden war?

Nein, die Reiterei steht nicht Kopf. An den Grundsätzen wird nicht gerüttelt, vielmehr werden damit die anatomischen Voraussetzungen für vergnüg-lichere Stunden im Sattel geschaffen. Die neuen Erkenntnisse über die Bedeutung der Faszien können wir nicht hoch genug einschätzen. Die Resultate sind, wie wir in unserem Beitrag von Eckart Meyners aufzeigen, verblüffend und folgen der vor bald 80 Jahren im Auftrag des Bundesrates vefassten «Reitvorschrift für die Leichten Truppen». Unter «Allgemeines» steht dort: «Bei der Reitausbildung soll dem Sitz grösste Aufmerksamkeit und sorgfältigste Beachtung geschenkt werden. Ein weicher, tiefer und losgelassener Sitz ist das ebenso sichere wie unerlässliche Fundament, auf dem die weitere Ausbildung aufbauen muss. … Die für Sitzübungn vorgesehene Zeit wird daher nie verloren sein.»

Die Zeit beim Pferd ist auch aus anderen Gründen nie verloren. Der Wissenschaft sei wiederum Dank: Eine Studie zeigt auf, dass der Umgang mit dem Pferd die «charakterliche und soziale Entwicklung von Kindern und Jugend-lichen» fördert.

Thomas Frei
Chefredaktor

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