Editorial: 09/16

Was den Pferdesport so einzigartig macht

Olympische Spiele sind nun einmal einzigartig. Ganz gleich, wie man nun zu diesem gigantischen Anlass auch stehen mag. Die Leistungen der Sportlerinnen und Sportler vermögen das Interesse bis in den abgelegensten Winkel unserer Erde zu wecken. Und selbst Regierungen lässt es nicht gleichgültig, wie ihre Repräsentanten abschneiden,  und helfen mit staatlichen Massnahmen nach, die Leistungsbilanz mit allerlei Mitteln zu verbessern.

Unter den 41 Sportarten aus 28 verschiedenen Verbänden, die während gut zwei Wochen in Rio nach den Besten ihrer Disziplin gesucht haben, nimmt der Pferdesport eine ganz besondere Stellung ein. Und das wird so bleiben, auch wenn künftig nicht mehr vier Paare pro Nation in Dressur, Concours Complet oder Springen an den Start gehen sollen – die Einzigartigkeit des Pferdesports wird damit nicht infrage gestellt. Es lohnt sich aber zweifellos, sich einmal die Besonderheiten dieser Sportart zu vergegenwärtigen. In keiner der 40 anderen Sportarten kämpfen Frauen und Männer in der gleichen Prüfung um Edelmetall. Und in welcher anderen Disziplin haben 50-, 60-Jährige die gleichen Chancen wie gut 20-jährige Youngsters?

Olympiasieger kann im Pferdesport zudem der Mensch nie allein werden – ein Reiter wird das eben erst zusammen mit dem Pferd. Um zu den Klängen der Nationalhymne auf dem obersten Tritt des Treppchens stehen zu können, hat er auf das Mitmachen seines vierbeinigen Partners zählen können. Die olympischen Doubletten von Charlotte Dujardin mit Valegro in der Dressur und Michael Jung mit Sam im Concours Complet haben beeindruckend in Erinnerung gerufen, was die Symbiose von Mensch und Pferd erreicht. Und dass Reiten nicht einfach ein Sport ist, sondern auf einer Lebensform basiert.

Thomas Frei
Chefredaktor

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