Editorial: 08/16

Pferde brauchen unsere Hilfe

Täglich mindestens einmal, manchmal sogar zweimal, kommen aus dem Dorf Kinder mit ihren Eltern oder Grosseltern auf Pferdebesuch. Mit Mutterinstinkt senken die Stuten durch die offenen Boxentüren ihre Köpfe in den Stallgang hinaus und lassen sich von den Dreikäsehochs über die Nüstern fahren. Die Namen ihrer Lieblinge sind den Kleinen geläufig und kommen über die Lippen, wenn bei einem der vor dem Stall geduldig wartenden Holzpferde in den Sattel geklettert wird. Die kleinen Besucher sind im ganzen Stall gern gesehene Gäste – das schafft Goodwill. Und Kinderwagen, Hunde, Roller oder Trottinetts lernen die Pferde im sicheren Stall kennen und scheuen beim nächsten Ausritt nicht mehr davor.

Immerhin bei den Kindern ist das Interesse am Pferd ungebrochen. Nicht wie beim Bund, der ohne jegliche Vorankündigung dem Personal der Avencheser Gestütsklinik das Ende seines finanziellen Engagements auf Ende Jahr mitteilte. Das trifft nicht nur die Mitarbeiter des Schweizerischen Instituts für Pferdemedizin hart, der Entscheid wird nicht ohne Auswirkungen auf die Pferdezucht bleiben. Denn hier wurde in Zusammenarbeit mit dem angrenzenden Nationalgestüt ausgezeichnete Forschungsarbeit in Reproduktionstechniken betrieben. Auf privater Basis lässt sich das nicht so leicht fortführen.

Gering ist das Interesse am Pferd beim Staat wie im kollektiv-helvetischen Bewusstsein geworden. Selbst olympisches Gold bringt Steve Guerdat weder auf Plakate noch in Werbespots und führt auch dem Pferdesport keine neuen Verbandssponsoren zu. Und wenn es um Bewegungsraum geht, gewähren Politik und Armee in Frauenfeld auf der Allmend («was allen gemein ist») am Openair lieber den Abfallschweinen Gastrecht und grenzen die Pferde aus. Sorgen wir alle dafür, dass sich kindliche Freude am Pferd überträgt – an den Pferden liegt es nicht.

Thomas Frei
Chefredaktor

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