Editorial: 07/16

Pferde werben am besten für sich selber

«Ein Pferd, ein Pferd, ein Königreich für ein Pferd!» rief König Richard III. im 15. Jahrhundert um sein Leben. So offensichtlich und eindeutig sind die Gründe heute nicht mehr, weshalb wir uns ein Pferd halten oder den Pferdesport betreiben. Wissen wir immer genau, was uns an den Pferden so fasziniert? Was für eine Anziehungskraft von ihnen ausgeht, die uns Menschen seit Jahrtausenden neben und auf sie bringt? Selbst als Sympathieträger geniessen sie im digitalen Zeitalter einen hohen Stellenwert, sind noch immer beliebte Objekte in der Werbung oder bejubelte Stars in grossen Arenen. 

Was Pferde so attraktiv und begehrenswert für den Laien wie für eingefleischte Rösseler oder potentielle Neueinsteiger macht, wäre gut zu wissen. Aus Deutschland liegen Ergebnisse aus aussagekräftigen Umfragen vor, die schon verschiedentlich umgesetzt werden. Aachen, das Weltfest des Pferdesports, wirbt mit «Spektakuläre neue Prüfung vereint drei Disziplinen»und die Aktion «Pferde für unsere Kinder» setzt an der Basis an. Bei den Verbänden hingegen rüttelt allein schon die Diskussion über mögliche Neuerungen im Olympia-Programm mit drei oder vier Reitern am equestrischen Fundament.

Die Pferdezucht verhält sich seit eh und je trendig und richtet sich auf die Kundenwünsche aus. Steht beim Freiberger als Zuchtziel die Freizeitreiterei im Vordergrund, hat sich das Ideal des einstigen Reit- und Wagenpferdes längst zum hochbegabten Spring- oder Dressurpferd gewandelt. Pferde haben sich dank ihren vielseitigen Veranlagungen über Jahrhunderte an unsere Bedürfnissen anpassen lassen. Es liegt nun an uns, dass ihr einzigartiges Wesen nicht einem privilegierten Insiderkreis vorbehalten bleibt. Am besten gelingt das aber dem Pferd selber,  wenn es wie als Schulpferd Herzenswünsche erfüllt und die erste Liebe weckt. 

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